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11. Januar 2018 Viessmann Sport

Ole Einar Björndalen – Der König ist tot, es lebe der König!

Die Enttäuschung stand dem Athleten und Zuschauern in der Chiemgau-Arene gleichermaßen ins Gesicht geschrieben: Die norwegische Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen scheiterte zum Auftakt des Weltcup-Wochenendes in Ruhpolding erneut an der Qualifikationsnorm für Pyeongchang.

Zukunft ungewiss
Die Statistiker im Biathlon-Lager wussten es ganz genau. Der Auftritt von Ole Einar Björndalen in Ruhpolding im Einzel über  die 20 Kilometer war der 575-Weltcup-Start des in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Norwegers. Was aber auch nach diesem Rennen noch kein Mensch weiß: Vielleicht war es sein letzter Weltcupeinsatz. Denn Björndalen, in der Vergangenheit in Muster an Präzision, was die akribische Vorbereitung auf Saisonhöhepunkte angeht, scheiterte an der vom norwegischen Verband vorgegebenen Norm und die lautete: Mindestens Platz sechs bei diesem Rennen, das zugleich als letzte Chance für den König der Biathleten galt. Am Ende sprang Platz 42 heraus. „Ich bin nicht der Nationaltrainer, also will ich keine Energie damit verbrauchen zu überlegen, ob ich aus der Mannschaft sollte“, sagte ein enttäuschter Björndalen anschließend. „Und dann wird die Zukunft so, wie die Zukunft wird.“

Saisonvorbereitung verärgert Trainer Mazet
Die Zukunft scheint tatsächlich vollkommen offen. Denn Björndalen hatte vor der Saison nicht mit dem Verband und Cheftrainer Siegfried Mazet zusammengearbeitet, sondern gemeinsam mit seiner Frau Darja Domratschewa – dreimalige Olympiasiegerin aus Weißrussland – die Vorbereitung komplett außerhalb des Teams bestritten und dabei unter anderem in Oberhof Station gemacht. Das hatte zu Spannungen im Verhältnis zum Trainer, der bis 2016 Coach von Weltcup-Überflieger Martin Fourcade war, geführt. Hinzu kam ein nicht ganz geräuschloser Materialwechsel bei der Gattin, die seit Saisonbeginn auf einer anderen Skimarke unterwegs ist. Wie auch immer: Die Strapazen der Vorbereitungszeit zahlten sich bisher nicht aus.

Geringe Chancen für siebte Olympiateilahme
Was bleibt, ist die Hoffnung. Auch wenn der Leistungsnachweis bisher fehlt, die Formkurve zeigt allerdings nach oben. In Ruhpolding lag Björndalen bis zum dritten Schießen auf Platz vier, patzte dann aber insgesamt weitere drei Male und wurde im Klassement durchgereicht. Zudem ist die Konkurrenz im eigenen Land riesengroß und die Chance auf eine „Lex Björndalen“ angesichts der Umstände verschwindend gering. Die siebte Olympia-Teilnahme seit 1994 ist nach der neuerlichen Enttäuschung wenig wahrscheinlich. Der Norweger, der 94 Weltcuprennen, 45 WM- und 13 Olympia-Medaillen in seiner außergewöhnlichen Karriere gewonnen hat, bekommt zudem von Publikum, Mitstreitern und Trainers schon jetzt Kränze gebunden. Ex-Bundestrainer Frank Ullrich bezeichnete den 43-Jährigen als „Außerirdischen“, der aktuelle Chef der deutschen Biathlon-Herren, Mark Kirchner, nannte Björndalen den „Besten aller Zeiten“.

WM-Auftritt 2019 nicht ausgeschlossen
Das klingt ein wenig nach Abschied – dem Abschied vom Größten der Szene. Für einen Sportler der Klasse eines Ole Einar Björndalen – schon jetzt eine Legende – wäre es aber ein unbefriedigendes Ende. Wenngleich mit dem Franzosen Martin Fourcade ein legitimer Nachfolger schon bereit steht, frei nach dem alten Theatermotto: „Der König ist tot, es lebe der König!“ Durch die Hintertür zu verschwinden ist nicht das Ding des Ole-Einar. so ist es auch denkbar, dass der alte König noch einmal zurückkommt auf die ganz große Bühne. Möglicherweise doch noch in Pyeongchang, eventuell aber auch erst im kommenden Winter. Dann heißt der Ort des Jahreshöhepunktes Östersund und für Björndalen wäre das fast ein WM-Heimspiel.

Foto: NordicFocus