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25. März 2019 Viessmann Sport

Nach elf Jahren im Amt: Der „Schu“ sagt Servus

Als Markus Eisenbichler am Sonntag Mittag gelandet war, wussten alle: Eine Ära geht zu Ende. Werner Schuster, erfolgreicher Bundestrainer der Deutschen Ski-Adler, wird künftig nicht mehr die Fahne in die Hand nehmen, um seine Schützlinge abzuwinken. Der Österreicher, seit 2008 in Diensten des DSV, hatte angekündigt, dass nach Saisonende Schluss sei – in Planica war der Moment des Abschiednehmens nun gekommen. Und so verabschiedete sich der Vorarlbeger von seinen Schützlingen und von seinen Kollegen und erntete dabei Anerkennung und Lobeshymnen von allen Seiten. Mit Schusters Abschied endet eine elf Jahre dauernde Zusammenarbeit, die das deutsche Skispringen der Herren in die absolute Weltspitze zurückgeführt und dort etabliert hat.

 

Routiniers anfangs noch Erfolgsgranten

Werner Schuster beendet das Amt des Bundestrainers: Verabschiedung vom Team in Herrenchiemsee (GER).

Als der inzwischen 49-Jährige den Job übernahm, da lagen die Erfolgsjahre unter Reinhard Heß schon eine Weile zurück. Die Zeiten, in denen die „fliegende Boy-Group“ um Martin Schmitt und Sven Hannawald Millionen Fans regelrecht elektrisiert hatte, waren vorbei, unter den Nachfolgern des Thüringers konnten die Deutschen nicht an die Erfolge von einst anknüpfen. Und so schickte sich der neue Cheftrainer an, Strukturen zu verändern, neue Trainingsreize zu setzen und nach Talenten Ausschau zu halten, die künftig wieder in der Lage sein sollten im Kampf und Siege und Medaillen anzugreifen. Am Anfang halfen dem neuen Cheftrainer noch die Routiniers wie Schmitt, der in Liberec bei der ersten WM unter Schusters Leitung Silber von der Großschanze holte. Und bei der Olympiapremiere unter Schusters Leitung 2010 gab es Silber für das Team.

 

Schuster formt neue Talente

Doch so richtig begannen die Veränderungen unter Regie des Österreichers erst später zu greifen und dieser Wandel war verknüpft mit dem Namen Severin Freund. Der Bayer wurde der erste neue Star unter Schuster, gewann Weltcups, mit dem Team die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Sotschi, wurde im gleichen Jahr Skiflugweltmeister und feierte zudem in der darauffolgenden Saison den Gesamtweltcup sowie große Erfolge bei der WM in Falun. Neben Freund wuchsen andere Talente heran: Richard Freitag, Andreas Wellinger, der dem Trainer in Pyeongchang Einzelgold von der Normalschanze bescherte oder zuletzt Markus Eisenbichler. Eisenbichlers Stern ging in dieser Saison so richtig auf – ebenso wie der von Karl Geiger oder Stephan Leyhe. Für die drei Letztgenannten galt und gilt: Sie waren nicht die Ausnahmetalente, so wie einst die Österreicher Morgenstern oder Schlierenzauer. Doch getreu dem Schusterschen Motto, jeden Sportler jeden Tag ein bisschen besser machen zu wollen, formte er seine Schützlinge und etablierte sie in der Weltelite. Deshalb wohl resümierte der scheidende Chef: „Ich bin durchaus nicht unzufrieden mit der geleisteten Arbeit. Nicht nur wegen der Erfolge und Platzierungen, sondern auch, weil ich glaube, einen geordneten Laden zu übergeben.“

 

Rechtzeitig zur WM aus dem Leistungsloch

Freude der DSV-Adler am Bergisel (AUT): WM-Gold auch im Team.

Dass der Österreicher auch mit Druck und sportlichen Krisen umgehen kann, bewies er in seiner Abschiedssaison, denn zwischen der Vierschanzentournee und dem Beginn der Welttitelkämpfe in Seefeld fiel sein Team in ein Leistungsloch und der Trainer bekannte anschließend, „ganz schön gekurbelt zu haben“, um seine Schützlinge wieder an die Spitze zu bringen. Das gelang dann in Seefeld eindrucksvoll: Deutschlands Adler räumten auf der Großschanze am Bergisel ordentlich ab – es wirkte fast wie ein „Dankeschön“ zum Abschied.

 

Sportliche Abschiedsgeschenke in Planica

Saisonfinale in Planica (SLO) und Ende einer Ära: Der ausscheidenede Bundestrainer Werner Schuster mit Markus Eisenbichler.

Das folgte nun in Slowenien auch verbal und so dürfte es dem scheidenden Trainer nicht zu schwergefallen sein, die Fahne aus der Hand zu legen. Was Schuster in näherer Zukunft macht, ließ er offen. Dass er – möglicherweise nach einer Auszeit – in irgendeiner Form zum Skispringen zurückkehren wird, gilt als sicher. „Ich kann nur Skispringen – was also soll ich sonst machen“, verkündete der Erfolgstrainer kürzlich schelmisch auf die Frage nach seiner Zukunft. Der „Schu“ kommt also wieder – wann, für wen und in welcher Funktion, das bleibt abzuwarten.

Für das Skispringen in Deutschland war die Zeit mit Werner Schuster – soviel steht fest – ein Gewinn. Sein Nachfolger tritt in große Fußstapfen. Aber dass die DSV-Adler fliegen können, das haben sie in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen. Zuletzt Markus Eisenbichler, dem in Planica der erste Weltucp-Einzelsieg gelang. Was für ein schöner Abschied für den Trainer.

Fotos: NordicFocus