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4. März 2019 Viessmann Sport

Seefeld: Deutschlands Nordische zwischen Jubel und Betroffenheit

WM-Traumkulisse in Seefeld: Start beim Langlauf-Massenstart der Herren.

Beginnen wir mit den positiven Resultaten: Deutschlands nordische Skisportler sind auch 2019 mitten drin in der Weltspitze. Hinter den dominanten Norwegern belegten die Athletinnen und Athleten des DSV Rang zwei in der Nationenwertung, insbesondere die Disziplinen Skispringen und Nordische Kombination waren die Erfolgsgaranten made in Germany.

Nicht nur Eric Frenzel und die Skispringerinnen sorgen für Highlights

Krönt sich in Seefeld zum efolgreichsten Kombinierer der WM-Geschichte: Gold für Eric Frenzel im Einzelwettbewerb.

Will man etwas detaillierter in die Analyse eintauchen, stechen der historische Triumpf der Skispringerinnen, die den erstmals ausgetragenen Mannschaftswettbewerb zu ihren Gunsten entschieden und der Sieg von Kombinierer-König Eric Frenzel, der punktgenau in der Stunde der Entscheidung seine Top-Form erreichte, noch ein wenig heraus. Aber auch Markus Eisenbichlers Erfolg von der Großschanze und der WM-Titel für das Skisprung-Quartett der Männer, mit einem fast unheimlich anmutenden Vorsprung souverän ersegelt, waren Höhepunkte aus deutscher Sicht. Und selbst im zuletzt schwächelnden Langlauf gab es Lichtblicke – insbesondere bei den Frauen, die mit den Plätzen vier, fünf und sechs ganz nah dran waren, an den Medaillenrängen.
Die großartige Bilanz der WM-Mannschaft ist Ansporn und Hypothek zugleich, denn die nächsten Welttitelkämpfe gibt es in zwei Jahren daheim. Oberstdorf im Allgäu empfängt 2021 die besten Nordischen Skisportler und der Gastgeber DSV muss sich anstrengen, um an die Erfolgsbilanzen von Falun 2015, Lahti 2017 und Seefeld 2019 anknüpfen zu können.

Polizeieinsatz überschattet WM-Flair

Der Name Seefeld steht aber auch für einen der vielleicht größten Skandale der jüngeren Sportgeschichte. Bei einer Razzia am Rande der WM konnten die Fahnder nicht nur einen Doping-Ring ausheben, man erwischte einen Sportler sogar auf frischer Tat. Die „Krake Doping“ hielt also auch diese WM in den Fängen. Für die WM, den Ruf des Nordischen Skisports und für den Sport allgemein eine bittere Erkenntnis. Auch wenn die deutschen Wintersportler in den Skandal nicht involviert waren: Gut möglich, dass in Erfurt und Seefeld nur die Spitze eines Eisbergs sichtbar wurde, dass die Resultate der „Operation Aderlass“, eine konzertierte Aktion österreichischer und deutscher Ermittler, noch lange nachwirken.

Gastgeber versuchen sich in Nachhaltigkeit

Begeisterung für den nordischen Skisport in Seefeld: Zuschauer beim WM-Skiathlon.

Besonders bedauerlich ist die Entwicklung, weil die Welttitelkämpfe bis zum Zeitpunkt der Doping-Enthüllungen unter einem guten Stern zu stehen schienen. Traumwetter, eine von Kleinigkeiten abgesehen gut funktionierende Organisation, Zuschauermassen aus dem In- und Ausland, glänzend präparierte Sportanlagen – Seefeld war drauf und dran Werbung zu machen für den Sport, für den Ort, für Tirol und Österreich. Es schien, als habe man die Zeichen der Zeit erkannt: Auf Videowänden warben die Gastgeber für Mülltrennung und Ernst Vettori – einst einer der Skisprunghelden der Alpenrepublik – erklärte das Prinzip auf großen Videowänden im Stadion. Die Gastgeber versuchten sich in Papierreduzierung und vermieden überflüssige Verpackung. Alles richtig, alles gut –aber leider schlussendlich alles überschattet vom leidigen Thema Doping.

Dem in diesen Skandal nicht involvierten deutschen Team darf man trotz der Widrigkeiten zu einer großartigen Weltmeisterschaft gratulieren.

Fotos: Thibaut, Modica / NordicFocus