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26. November 2018 Viessmann Sport

Heißer Start im gar nicht kalten Norden

Wenn die Nordischen Skisportler ihre Saison beginnen, spricht man traditionell von einem „Kaltstart“. Denn eigentlich ist es immer klirrend frostig im finnischen Kuusamo, nur ein paar Kilometer südlich des Polarkreises. In diesem Jahr jedoch war alles anders. Ob die Bedingungen in Lappland schon dem Klimawandel geschuldet sind oder einfach eine Laune der Natur – Fragezeichen. Auf jeden Fall mussten die Finnen zu Mitteln greifen, die sie sonst nur aus mitteleuropäischen Erzählungen kennen – sie mussten künstlich Schnee erzeugen. Was dazu führte, dass die Wettbewerbe in der Loipe alle sorgenfrei durchgeführt werden konnten – mit Favoritensiegen für russische und norwegische Läuferinnen und Läufer. Die Deutschen platzierten sich in der erweiterten Spitze – mehr war zum Auftakt wohl auch nicht zu erwarten.

Wellinger widersteht dem Wind
An der Schanze jedoch – auch die war bestens präpariert – herrschen andere Regeln, denn außer der weißen Pracht spielt auch der Wind eine Rolle. Und der spielte den fliegenden Herren ziemlich übel mit. Insbesondere am Freitag und Samstag blies es kräftig – Aussagen über Form und Leistung sind deshalb nur mit beschränkter Haftung zu erstellen.

Eric Frenzel in Ruka (FIN).

Eric Frenzel in Ruka (FIN).

Klar aber ist: Andreas Wellinger ist wieder in der Spur. Der Olympiasieger, zum Auftakt der Spezialisten im polnischen Wisla zumindest in der Qualifikation noch ein wenig jenseits von Gut und Böse und deshalb ohne Fahrtkarte für den Teamwettkampf, belegte auf der großen Schanze in Ruka einen hervorragenden zweiten Platz. Wellinger liebt und hasst den Bakken gleichermaßen, feierte er doch im Vorjahr mit Platz drei ebenfalls einen großen Erfolg. Doch auf der gleichen Anlage war der Bayer 2014 auch schwer gestürzt – dieses Erlebnis jedoch ist inzwischen (fast) verschwunden aus dem Hinterkopf des Traunsteiners. „Ich hab mich gut gefühlt, der zweite Sprung war nahezu optimal und das Wetter hat auch mitgespielt“, sprudelte es auch Wellinger nach Rang zwei nur so heraus.

Und auch Karl Geiger – mit den Plätzen fünf und acht am Wochenende gemeinsam mit dem am ersten Tag auf Rang neun gelandete Wellinger der stabilste DSV-Adler freute sich über seine Wettkämpfe. Zwar zwicke das Knie noch bei der Landung, aber daran werde er arbeiten und darüber hinaus sei es doch schön, endlich wieder bei richtigem Winterwetter zu springen, wenn man oben auf dem Balken friere. Eine Einschätzung, die in diesem Winter nur für den Sonntag galt. Am Samstag herrschten Nässe und vor allem Wind, da blies es beispielsweise Stefan Leyhe, der zum Auftakt in Polen noch auf Rang zwei gesprungen war, ein ordentliches Stück weit heraus aus den Top 10.

Richard Freitag in Ruka (FIN).

Richard Freitag in Ruka (FIN).

Richard Freitag, im letzten Winter noch der stabliste Schützling von Bundestrainer Werner Schuster, kämpft noch um seine Form. „Wenn man mit der von mir gezeigten Leistung noch unter die besten 20 kommt, ist das ja eigentlich auch ein gutes Zeichen“, versuchte sich der Sachse in einer positiven Analyse der gezeigten Sprünge.
Noch hinter dem Mann aus dem Erzgebirge landete bei seinem Comeback im Weltcup Severin Freund. Der aber strahlte dennoch. „Es kann nach 22 Monaten Pause nicht alles laufen, dafür war das schon ganz ordentlich“, bekannte der einstige DSV-Vorflieger und legte nach: „Wenn mich der Trainer mitnimmt, dann kann ich mich unter Wettkampfbedingungen allmählich sicher wieder an die Spitze heranarbeiten.“ Was Werner Schuster umgehend bestätigte: „Nächste Woche in Russland geht das sicher schon wieder ein bisschen besser.“ Bis ganz nach vorn wird es aber noch nicht langen, dort thront mit dem Japaner Ryoyu Kobayashi einer, der schon früh in Top-Form ist und in Finnland gleich zwei Mal souverän gewann.

Rydzek, Frenzel, Rießle und Weber souverän wie im Vorwinter

Johannes Rydzek in Ruka (FIN).

Johannes Rydzek in Ruka (FIN).

Während die Springer nach Russland weiterziehen, macht die Karawane der Läufer und Kombinierer in Lillehammer Station. Dort wollen die Deutschen auch im Einzel auf’s oberste Treppchen, wenngleich die Konkurrenz sicherlich nicht freiwillig das Podest verlassen wird. Aber hoffentlich sind die Bedingungen im Olympiaort von 1994 stabiler als in Ruka, dort litten vor allem Eric Frenzel und Fabian Rießle an miserablen Konditionen beim Springen. Johannes Rydzek hatte etwas mehr Glück, stürmte deshalb in der Loipe noch auf Platz drei, geschlagen nur vom Norweger Jarl Magnus Riiber und dem Sieger Mario Seidl aus Österreich.

E. Frenzel, V. Geiger, F. Rießle, J. Rydzek in Ruka (FIN).

E. Frenzel, V. Geiger, F. Rießle, J. Rydzek in Ruka (FIN).

Tags darauf verpassten Riiber und Seidl mit ihren Teams bessere Platzierungen, weil die Sprunganzüge Norwegens und Österreichs Grund zur Beanstandung gaben. So war der Triumpf von Olympiasieger Deutschland nahezu folgerichtig. Eine Minute Rückstand nach dem Springen wurden in eine Minute Vorsprung nach dem Lauf verwandelt und zwar in genau der Besetzung, die im Februar in Pyeongchang Gold bei den Olympischen Spielen geholt hatte. Nur die Aufstellung war ein wenig verändert worden – Youngstar Terence Weber durfte mit der Fahne über die Ziellinie rutschen. Dieser Erfolg geht – auch wenn der Winter noch jung ist – als Generalprobe für die Nordische Ski-WM durch, denn bis Seefeld stehen keine weiteren Teamwettbewerbe bei den Kombinierern an. Doch auch hier gilt es keine vorschnellen Prognosen zu wagen, weil davon ausgegangen werden kann, dass die Sprunganzüge der Konkurrenz beim Saisonhöhepunkt sitzen dürften.

Biathleten greifen ins Geschehen ein

Biathlonstadion auf der Pokljuka (SLO).

Biathlonstadion auf der Pokljuka (SLO).

Während der Nordische Skisport also seine Weltcuppremiere schon hinter sich hat – sieht man mal von den Skispringerinnen ab, die in Lillehammer ein erstes
Wettkampf-Stelldichein haben werden, scharren Biathletinnen und Biathleten noch mit den Skiern. Am Wochenende soll es dann soweit sein auf der Pokljuka in Slowenien.
Dort misst sich die Weltspitze zum ersten Mal in diesem Winter. Weltspitze, das waren im Biathlon der Herren im letzten Winter die Herren Boe aus Norwegen und Fourcade aus Frankreich. Zumindest bis zu den Olympischen Spielen, da schafften es die zum richtigen Zeitpunkt topfit auftrumpfenden deutschen Männern in die norwegisch-französische Phalanx einzubrechen. Ob das schon beim Weltcup-Auftakt wieder gelingt, ist allerdings fraglich, traditionell starten die Deutschen eher wie eine Dampflokomotive in die Saison, zunächst bedächtig, in voller Fahrt aber fast nicht zu stoppen.

Laura Dahlmeier in Tyumen (RUS).

Laura Dahlmeier in Tyumen (RUS).

Bei den Frauen wird das deutsche Team auf Laura Dahlmeier vorerst noch verzichten müssen, die Partenkirchenerin ist zwar wieder im Training, ein Einsatz im Weltcup käme aber noch zu früh. Vielleicht die Chance für Vanessa Hinz, Denise Herrmann, Franziska Preuß und Co. mit Topleistungen auf sich aufmerksam zu machen. Aber auch für die Damen gilt: Die WM ist der Höhepunkt – und die findet erst im März im schwedischen Östersund statt.

Fotos: www.nordicfocus.com