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19. März 2018 Viessmann Sport

Kombinierer künftig ohne Kirche – Wiedersehen nicht ausgeschlossen

Ein bisschen anders hatte sich Björn Kircheisen das Karriereende schon vorgestellt und eigentlich war er auch ganz nah dran, an seinem Traum. Aber es kam anders und mit 34 Jahren und 17 Weltcupserien als Erfahrungsrucksack hat der Sachse gelernt, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Sportliche Weggefährten: Björn Kircheisen mit Ronny Ackermann in Klingenthal (GER).

Sportliche Weggefährten: Björn Kircheisen mit Ronny Ackermann in Klingenthal (GER).

Und eigentlich lief es ganz gut, immerhin gelang es „Kirche“ in letzter Minute auf den Zug nach Pyeongchang aufzuspringen. Olympische Spiele ohne Björn Kircheisen hatte es zuletzt 1998 gegeben. Der Dino im Team konnte den nachrückenden Jüngeren noch aus eigenem Erleben erzählen, wie alles begonnen hatte, mit dem sportlichen Aufstieg der Kombinierer um die Jahrtausendwende. Schließlich gehörte Björn Kircheisen als Youngster zur Generation der Baacke, Ackermann, Haseney, Edelmann oder Hettich. Kircheisens Markenzeichen war sein unorthodoxer Stockeinsatz. Mit kurzem Hebel „quirlt“ sich der Johanngeorgenstädter durch den Schnee, Versuche, die Art und Weise des Anschiebens zu verändern machten das System Kircheisen nur langsamer.

Markenzeichen Silber
Schnell genug, sich schon im Jahr seiner großartigen Erfolge bei der Junioren-WM in die Nationalmannschaft und nach Salt Lake City zu katapultieren war Kircheisen jedenfalls und holte dort mit dem Team Silber. Und das mit dem Silber sollte so etwas werden, wie sein Markenzeichen. 279 Weltcups hat Kircheisen bestritten, 17-mal stand er bei Einzelwettkämpfen dabei ganz oben auf dem Podium, 54-mal insgesamt auf dem Treppchen. Seit dem Olympiastart 2002 gab es für Kirche weitere Olympiamedaillen: Silber in Turin, Bronze in Vancouver und wieder Silber in Sotschi. Und auch acht seiner insgesamt Plaketten, die der 34jährige bei Weltmeisterschafen einsammelte, gab es für zweite Plätze, was Kircheisen, den Spitznamen „Silbereisen“ einbrachte.

Nordische Ski WM 2017, Lahti (FIN): Endlich WM-Gold für Björn Kircheisen.

Nordische Ski WM 2017, Lahti (FIN): Endlich WM-Gold für Björn Kircheisen.

Dann kam der Winter 2017 mit der WM in Lahti und einem Björn Kircheisen, der nach zwei schlechteren Jahren wieder zu alter Stärke zurückgefunden hatte. Im Weltcup gab es wieder Spitzenplätze, bei den Welttitelkämpfen im Einzel reichte es zu Platz drei und gemeinsam mit Fabian Riessle, Eric Frenzel und Johannes Rydczek endlich zu Gold in der Staffel. Logisch, dass man da einen Gedanken daran verschwinden kann, die Laufbahn eventuell auch mit Olympiagold in Korea ausklingen zu lassen.

Dass das Vorhaben praktisch auf der Zielgerade scheiterte – wieder einmal – lag an verschiedenen Faktoren. Sicherlich war die Umstellung des Trainings – es wurde mehr Wert auf das Laufen gelegt, was einem etwas schwächeren Springer wie Kircheisen überhaupt nicht in die Karten spielte und die guten Weltcupplatzierungen selten werden ließ – einer der Punkte. Aber da war auch die aufstrebende junge Garde, insbesondere der hochtalentierte Vinzenz Geiger aus Oberstdorf. Kircheisen musste sich wohl an sich selbst erinnert fühlen. Auch Geiger wurde Juniorenweltmeister, pikanterweise 2017 in eben jenem Soldier Hollow in den USA, in der Kircheisens Olympische Karriere begonnen hatte. Und Geiger zeigte in diesem Olympiawinter die etwas stabileren Leistungen. Deshalb fuhr Kircheisen zwar nach Pyeongchang – aber er fuhr nur als Ersatzmann mit. Die interne Ausscheidung gewann der 20-jährige Bayer und für den Sachsen blieb nur die Rolle des Zuschauers. Bitter!

Klingenthal, Germany (GER): Björn Kircheisen gibt sein Karrierende bekannt.

Klingenthal, Germany (GER): Björn Kircheisen gibt sein Karrierende bekannt.

Letzte Station Schonach, Wiedersehen als Trainer
Und so bleibt eine großartige sportliche Laufbahn irgendwie ein bisschen unvollendet. Das macht die Karriere des Björn Kircheisen aber nicht weniger wertvoll. Bundestrainer Hermann Weinbuch sprach von einem Ausnahmesportler, die Medien winden ihm Kränze und … und, das ist die gute Nachricht: Björn Kircheisen will der Nordischen Kombination erhalten bleiben – als Trainer. Von den Fans zuhause in Sachsen hat sich der inzwischen in Bayern lebende Mann aus dem Erzgebirge beim Weltcup in Klingenthal schon verabschiedet. Jetzt folgt die wahrscheinlich ganz große Sause in Schonach, bei Weltcupfinale. Vielleicht lässt sich das Team etwas Besonderes für seinen Senior einfallen – vielleicht überrascht auch Kircheisen mit einer Aktion. Das ist die letzte Frage, die es noch zu klären gilt, in der Laufbahn des B.K.

Fotos: NordicFocus