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9. Januar 2018 Viessmann Sport

Olympia vor Augen – Noch fehlt der Durchblick

Einen Monat vor Pyeongchang zeigen die deutschen Wintersportler ein diffuses Leistungsbild – große Siege auf der einen Seite, Baustellen in anderen Bereichen. Zum Status Quo der deutschen Ski- und Kufenelite einen Monat vor Olympia.

Oberhof (GER): Johannes Kuehn und Benedikt Doll in der Herrenstaffel.

Herrenstaffel in Oberhof (GER): Johannes Kuehn und Benedikt Doll kämpfen mit den Sichtbedingungen .

Das Fernsehbild aus Oberhof war bezeichnend. Biathleten schemenhaft, die Schießen beim Staffelrennen der Männer eine Farce – kopfschüttelnde Trainer und der Erkenntnisgewinn in Sachen Leistungsstand ging gegen Null. Bundestrainer Mark Kirchner versuchte die Rosinen aus dem Nebel zu picken, als er anmerkte seine letzten beiden Staffelhelden hätten doch noch ganz gut gezielt. Das Stochern im Nebel war aber fast symbolhaft für das Leistungsbild, das Deutschlands Wintersportler gut einen Monat vor Beginn der Olympischen Winterspiele abgeben. So ganz genau weiß man noch nicht, wohin die Reise in Pyeongchang geht. Und ganz ehrlich: Das ist auch gar nicht schlecht.
Blicken wir ins Detail. Nach dem Wechselbad der Gefühle mit Traumstarts in die Weltcupsaison auf der einen und gleich mehreren schweren Verletzungen auf der anderen Seite scheint Normalität eingekehrt zu sein in den „Wintersport made in Germany“. Die Resultate stimmen hoffnungsfroh, die Leistungskurven lassen hier und da noch Luft nach oben erkennen, und in anderen Disziplinen – beispielsweise beim Skispringen der Männer und Frauen – ist die Dominanz von Athletinnen und Athleten aus anderen Nationen gebrochen.

Zuversicht in den nordischen Disziplinen

Vierschanzentournee: Richard Freitag freut sich über Top-Leistungen.

Vierschanzentournee: Richard Freitag freut sich über Top-Leistungen.

Auch wenn der Vierfachtriumpf von Kamil Stoch aus Polen bei der Vierschanzentournee auf dem Papier eine andere Sprache spricht – Richard Freitag bewies, dass er in der Olympiasaison zum Skispringer gereift ist, mit ihm und Andreas Wellinger können mindestens zwei DSV-Adler in Korea um Einzelmedaillen mitspringen.
Für Sotschi-Siegerin und Serien-Weltmeisterin Carina Vogt gilt das ebenso, die ist für ihre Verhältnisse schon richtig früh in der Saison gut drauf, aber besser noch springt derzeit Katharina Althaus.
Das Sorgenkind der Szene, der Skilanglauf nutzte die Tour de Ski um den Jahreswechsel, um die Zugehörigkeit mindestens zur erweiterten Weltspitze nachzuweisen, und um die Nordischen Kombinierer muss man sich ohnehin keine Sorgen machen. Man darf gespannt sein, wie die Herren Rydzek, Frenzel und Co. aus den Weihnachtsferien kommen – wahrscheinlich noch einen Tick stärker als vor dem Fest. An diese Disziplin kann mit Blick auf die Spiele auch ein Haken dran.
Im alpinen Bereich überraschten uns die DSV-Starter insbesondere in den Speed-Disziplinen, und Viktoria Rebensburg bewies schon jetzt ihre Klasse – was Hoffnung für die Spiele macht.

Erster Saisonsieg: Tobias Wendl und Tobias Arlt am Königssee (GER).

Erster Saisonsieg: Tobias Wendl und Tobias Arlt am Königssee (GER).

Kufensportler mit guten Chancen auf Edelmetall
Und in diesem Winter könnte sich auch ein Blick nach Bokwang lohnen, dort gibt es den Phoenix-Sportpark mit allerlei Disziplinen, in denen Deutsche in den letzten Jahren eher nicht so gut waren – in diesem Winter jedoch scheint sich auch in diesem Bereich einiges zu bewegen. Eisschnelllauf und Eiskunstlauf – selbst da geht was in diesem Winter. Claudia Pechstein trotzt dem Alter und will gemeinsam mit Ole Einar Björndalen und Noriaki Kasai im Olympischen Dorf im Erdgeschoss wohnen – der Treppen wegen. Sonst aber traut man der dann siebenfachen Olympiateilnehmerin in ihrem nicht mehr zählbaren sportlichen Frühling tatsächlich zu, nach Edelmetall zu greifen – wieder einmal. Dann bleiben noch die Rennrodler, Skeletonis und Bobpilotinnen und -piloten. Können die in den nächsten Wochen ihre Form nur annähernd halten, es wäre die Garantie für großartige Spiele. Auch wenn Felix Loch am letzten Wochenende ausgerechnet auf seiner Heimbahn Bekanntschaft mit der Bande machte, beim Doppelsitzer in der Staffel der Start daneben ging und auf der Bobbahn in Altenberg bei Nico Walther der Schlitten noch nicht passte und der Bob von Stephanie Schneider kippte: Trotzdem deutet alles darauf hin, dass die Kufensportler aus Deutschland international voll konkurrenzfähig sind.

Sorgenfalten ausgerechnet bei den Biathleten
Und nun sorgen ausgerechnet die zuletzt so erfolgsverwöhnten Biathletinnen und Biathleten für Sorgenfalten. Kein Podestplatz in den Einzelrennen von Oberhof, beim Biathlon auf Schalke verhinderten durchwachsene Schießleistungen den Triumpf. Besteht Grund zur Sorge? Eher nein! Denn auch wenn Podestplätze und Top-Leistungen gut sind für das Selbstvertrauen und die Konkurrenz durchaus verunsichern können, bis zu den Wettkämpfen auf der koreanischen Halbinsel sind es eben noch mehr als vier Wochen. Und nicht nur wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, auch wer zu früh sein Pulver verschießt, kann am Ende mit leeren Händen dastehen.

Pyeongchang, (KOR): Das olympische Skilanglaufstadium.

So gesehen ist das Bild der deutschen Wintersportler im Augenblick einigermaßen diffus. Man freut sich über die tollen Vorleistungen und bibbert gleichzeitig, ob die Form bis zu den Spielen entweder hält oder ob sie noch kommt. Wie auch immer: Die Ausgangslage, die die potentiellen Olympiateilnehmer in der bisherigen Saison im Schnee und auf dem Eis abgeliefert haben, macht Mut und steigert die Vorfreude auf die Olympischen Winterspiele.

Fotos: NordicFocus / luge-images.com