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14. Dezember 2017 Viessmann Sport

Prinzessin Denise rüttelt (noch nicht) am Thron von Königin Laura I.

D. Herrmann gewinnt nach dem Sprint auch die Verfolgung in Östersund (SWE).

Flower Ceremony in Östersund (SWE): D. Herrmann überrascht auch in der Verfolgung.

Vor dem dritten Weltcup-Wochenende im französischen Annecy – Le Grand Bornand befinden sich Deutschlands Biathlon-Stars noch in der Findungsphase. Angesichts des Saisonzeitpunkts und der noch langen Olympiasaison weder eine ungewohnte noch beängstigende Situation bei den Herren. Bei den Damen schreibt unterdessen Langlauf-Umsteigerin Denise Herrmann erste Ausrufezeichen in den Schnee.

Wiese statt Stadion: Die Athtleten genießen die familäre Atmosphäre beim Weltcup-Stopp in Frankreich.

Wiese statt Stadion: Die Athtleten genießen die familäre Atmosphäre beim Weltcup-Stopp in Frankreich.

Athleten schätzen die familiäre Atmosphäre im französischen Biathlon-Mekka
Die Franzosen werden bei ihrem Heim-Weltcup natürlich auf ihren Superstar schauen. Klar, halten sich doch hartnäckig Gerüchte, dass der Weltcup in Annecy – Le Grand Bornand überhaupt erst Einzug in den IBU-Kalender der Top-Events fand, weil man auf Martin Fourcade als Zugpferd für das Publikum setzte. Der liegt auch in der aktuellen Saison nach den ersten beiden Stationen in Östersund und Hochfilzen schon wieder vorn. Und sein Landsmann Quentin Fillot Maillet auf Position sechs im Gesamtklassement wird auch ein Garant für gute Stimmung sein. Auf der Wiese! Denn wenn die Biathletinnen und Biathleten etwas ganz besonders mögen am Ausflug nach Frankreich, dann ist es die familiäre Atmosphäre. Das Publikum wandert nicht in eine riesige Arena sondern auf eine Wiese, um die Sportlerinnen und Sportler anzufeuern. Natürlich nicht nur die Herren der Schöpfung. Immerhin steht Justine Braisaz im Gesamtklassement wie Landsmann Maillet auf Rang sechs. Ihre etwas höher gerankte Teamkollegin Marie Dorin Habert ist gegenwärtig noch etwas weiter hinten eingereiht, Platz 23 kann nicht der Anspruch der Französin sein.

Training in Le Grand Bornand (FRA): L. Dahlmeier feilt an der Laufform.

Training in Le Grand Bornand (FRA): L. Dahlmeier feilt an der Laufform.

Dahlmeier nach Saisoneinstand läuferisch mit Luft nach oben
Aber wir sind – wie bereits bemerkt – erst am dritten Winterwochenende. Da darf man durchaus noch von einer Startphase sprechen, bei Habert ebenso wie bei Deutschlands Ausnahmebiathletin Laura Dahlmeier, die in Östersund gar nicht am Start war. Eine Erkältung im Vorfeld des Weltcup-Starts zwang die Seriensiegerin der letzten Saison zur Vorsicht und zum Verzicht auf den Weltcupauftakt in Schweden. Immerhin reichte es für Dahlmeier zu einem Ausflug zum Langlauf nach Seefeld – und dort gewann sie auf Anhieb im FIS-Cup den Sprint. Nicht ganz so brillieren konnte die deutsche Hoffnungsträgerin in der Woche darauf in Hochfilzen und so bekannte die 24-Jährige, insbesondere die Staffel habe ihr wieder Selbstvertrauen gegeben. Läuferisch aber, so Dahlmeier weiter, sei sie noch nicht dort, wo sie hinwolle. Was Hoffnung macht auf mehr. Mal abgesehen davon, dass Königin Laura I. rein läuferisch sogar in Top-Form Besuch bekommen könnte. Von einer anderen Deutschen.

Umsteigerin Herrmann mit Turbo-Start

Hochfilzen (AUT): D. Herrmann in der Verfolgung.

Hochfilzen (AUT): D. Herrmann in der Verfolgung.

Prinzessin Denise – Denise Herrmann. Deren Performance erinnert in verblüffender Weise an eine ehemalige Queen der Sportart – Kati Wilhelm. Die Thüringerin war 1999 vom Langlauf zum Biathlon gewechselt, holte beim ersten Weltcupstart in der neuen Sportart mit Rang drei gleich einen Podestplatz und wurde beim ersten Titelrennen 2001 Weltmeisterin im Sprint. Langlauf-Sprintspezialistin Herrmann – immerhin mal Gesamtweltcup-Zweite in dieser Teildisziplin – hatte es noch eiliger. Im April 2016 gab die Sächsin den Wechsel zum Biathlon bekannt, nicht mal ein Jahr später startete sie erstmals im Biathlon-Weltcup und in Östersund verblüffte die 28-Jährige die Konkurrenz, siegte im Sprint und im Massenstart – ein wahrer Turbo-Start. Und noch einen Vorteil hat die neue Prinzessin, sie ist nämlich bei Olympia schon medaillendekoriert, gewann mit der 4×5 km Staffel der Langlaufdamen Bronze in Sotschi 2014. Bis zum Leistungsniveau und der Konstanz einer Laura Dahlmeier ist für die neue Biathlon-Prinzessin aber noch ein weiter Weg, deshalb lacht die fröhliche Denise entspannt, wenn man danach fragt, ob sie am Thron der Königin rütteln wolle.

Mehr taktische Optionen für den Bundestrainer

Die Siegerstaffel von Hochfilzen (AUT): Jede Menge Optionen für den Bundestrainer.

Die Siegerstaffel von Hochfilzen (AUT): Jede Menge Optionen für den Bundestrainer.

Für Bundestrainer Gerald Hönig allerdings tun sich mit dem Einstieg der Umsteigerin in die Biathlon-Weltspitze nun noch mehr taktische Möglichkeiten auf, denn neben Dahlmeier und Herrmann scharren auch Franziska Preuß, Maren Hammerschmidt, Franziska Hildebrand und Vanessa Hinz mit den Skiern, wollen sich in Frankreich mit Top-Leistungen empfehlen. Dennoch gilt: Noch sind wir in einer frühen Phase der Saison, die Weltcup-Höhepunkte mit Oberhof, Ruhpolding und Antholz und das Highlight schlechthin in Pyeongchang folgen erst in ein paar Wochen.

Training in Annecy-Le Grand Bornand (FRA): E. Lesser am Schießstand.

Nachladen am Schießstand: E. Lesser beim Training in Le Grand Bornand (FRA).

Biathlon-Herren: Die Grundform passt
Das wissen auch die deutschen Herren, die irgendwie so begonnen haben, wie in den letzten Wintern auch: Gut – aber mit Steigerungspotential. Erik Lesser, in Östersund schon mal auf Platz drei, meint aber mit Blick auf Annecy: „Ich bin gut gestimmt, weil meine Grundform passt. Ich kann aggressiv auf der Strecke arbeiten, ohne dass ich direkt blau gehe, und das lässt mich positiv an die nächsten Aufgaben gehen.“ Besser platziert als der auf Platz sieben des Gesamtklassements rangierenden Thüringer ist derzeit Simon Schempp als Vierter. Der denkt ähnlich wie Lesser und gleiches gilt auch für die anderen Deutschen. Arnd Peiffer, Philipp Nawrath, Johannes Kühn und Benedikt Doll komplettieren das DSV-Sextett in Frankreich. Gegen Spitzenplätze am Wochenende hätten sie aber nichts einzuwenden. Sozusagen als selbst geschossenes Weihnachtsgeschenk. Denn Biathlon gibt es erst wieder nach den Feiertagen – erst auf Schalke und anschließend in Oberhof.

Fotos: nordicfocus.com