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8. März 2018 Viessmann Sport

Raw Air – Das dicke Ende des Weltcupwinters

Zu einem Eintrag im Online-Nachschlagewerk Wikipedia hat es die Raw-Air-Tour der Skispringer immerhin schon gebracht. Ziemlich nüchtern werden dort Wettkampfmodus und Preisgelder notiert, auch Stefan Kraft, Österreichs Sieger der Erstauflage im letzten Winter, hat seinen Platz in der Chronik gefunden.

Freude auf dem Podium in Oslo (NOR): Attraktive Preisgelder für die Athleten bei der Raw-Air-Tour.

Skispringen ohne Pause, dafür mit satten Preisgeldern
Weit reißerischer liest sich dagegen die Überschrift auf der Homepage der Norwegen-Tour: Mit „The most extreme and intense ski jumping tournament in the world“, wirbt man für eine Veranstaltung, die tatsächlich außergewöhnlich daherkommt. Da wäre zunächst das Regelwerk. Im Gegensatz zu sonstigen Gepflogenheiten im Weltcup-Kalender zählt bei den vier Stationen in Norwegen jeder Sprung – also auch Qualifikationswettkämpfe, bei der Raw-Air „Prologue“ genannt. Auch jeder einzelne Versuch bei den Teamwettbewerben geht in die Gesamtwertung ein. Zweite Besonderheit: Zwischen der Qualifikation in Oslo am 9. März und dem Finale in Vikersund am 18. März wird jeden Tag gesprungen – Pausen: Fehlanzeige. Und damit sich die ganzen Mühen auch lohnen, sollte Besonderheit Nummer drei nicht verschwiegen werden: Insgesamt loben die Veranstalter rund eine halbe Million Euro Preisgeld aus. Allein die Bonussummen für den Gesamtsieg sind gewaltig: 60.000 € für den Champion, 30.000 € für den Zweitplatzierten und immerhin noch 10.000 € für den Gesamtdritten – stolze Sümmchen für großen Sport.

Renommee der Veranstaltung wird unterschiedlich bewertet

Zu diesem Zeitpunkt im Jahr nicht überall geteilt: Skisprung-Begeisterung bei der Raw-Air-Veranstaltung in Oslo (NOR).

Zu diesem Zeitpunkt im Jahr nicht überall geteilt: Skisprung-Begeisterung bei der Raw-Air-Veranstaltung in Oslo (NOR).

Bei so viel Aufwand wundert es nicht, dass Werner Schuster schon im Herbst die Raw-Air-Tour immer wieder in einem Atemzug mit Vierschanzentournee, Skiflug-WM und Olympischen Spielen nannte, wenn er auf die Saisonhöhepunkte angesprochen wurde. Allerdings erntete der Bundestrainer bei seiner Aufzählung auch den einen oder anderen verwunderten Blick. Denn bei allem Engagement: Außerhalb Norwegens – die Skandinavier bezeichnen die 4-Stationen-Schleife schon jetzt als größtes Sportereignis im Lande – hat es die Skisprung-Nummer nicht geschafft, auch nur annähernd jene Außenwirkung zu entfalten, wie beispielsweise die Vierschanzentournee. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen fliegen die Skandinavier erst im März und damit zu einem Zeitpunkt, in dem man in Kontinentaleuropa das Thema Winter eigentlich nicht mehr so richtig mag, sich vielmehr auf den Frühling freut. Darüber hinaus ist bei Konsum von Wintersportveranstaltungen ein gewisser Sättigungseffekt feststellbar, König Fußball und der Saisonstart der Formel 1 rücken in den Mittelpunkt des Sportinteresses. Und der Segen der selbstgewählten Raw-Air-Regeln sind auch gleichzeitig deren Fluch. Denn wer will schon als Couch-Potato-Skisprung-Fan Qualifikationen live mitverfolgen müssen, nur um den aktuellen Gesamtstand der Tour nicht zu verpassen.

Raw-Air-Auftakt 2017 in Oslo (NOR): R. Freitag und A. Wellinger freuen sich über Platz zwei für die deutsche Mannschaft im Team-Wettbewerb.

Raw-Air-Titel und Gesamtweltcup-Ambitionen
Das alles aber ändert nichts am hohen sportlichen Wert der Veranstaltung. Zumal die unterschiedlichen Schanzenprofile und der Riesenbakken von Vikersund zum Finale ganz unterschiedliche Ansprüche an die Athleten stellen. Und ganz nebenbei: Der Kampf um den Gesamtweltcup geht auch während der Tour weiter. Mit Richard Freitag und Andreas Wellinger als Jäger von Spitzenreiter Kamil Stoch. Der übrigens hat in seiner erfolgreichen Karriere bereits alles gewonnen – nur eine Sache noch nicht: Die Raw-Air-Tour.

Fotos: NordicFocus