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News nach Sportart: Anzüge

Neues vom Flugwesen – es entwickelt sich!

22.03.2019, Planica, Slovenia (SLO): Markus Eisenbichler (GER) - FIS world cup ski flying, individual HS240, Planica (SLO). www.nordicfocus.com. © Nordicfocus/EXPA/JFK. Every downloaded picture is fee-liable.

Der Winter hat begonnen. Man merkt es zwar (noch) nicht beim Wetter, aber an den Schanzen dieser Welt. Denn die Zahl der von Equipment-Kontrolleur beanstandeten Anzüge ist – wie in den letzten Jahren immer zum Saisonstart – sprunghaft angestiegen. Sepp Gratzer, bei der FIS zuständig dafür, dass in Sachen Ausrüstung die Vorgaben des Weltverbandes eingehalten werden, hatte beim Auftaktspringen in Wisla gut zu tun. Drei Sportler erwischte es in der Qualifikation, weil Schuhe beziehungsweise Springeranzug außerhalb der Norm lagen. Und in der Team-Entscheidung war für die russische Mannschaft schon nach dem ersten Springer Schluss: der bekam mangels passender Bekleidung vom Österreicher im Kontrollzentrum die Rote Karte gezeigt, die Russen keinen einzigen Punkt. Ihre drei folgenden Sportler machten folglich Trainingssprünge unter Wettkampfbedingungen. Manchmal sind es Nuancen, die zwischen „noch erlaubt“ und „geht gar nicht“ entscheiden. Denn eingedenk der Leistungsdichte nicht nur bei den Springern, wird natürlich von allen Teams versucht, die Grenzwerte auszureizen.

Aber in diesem Winter, der zunächst ohne Reglementänderung startete, scheint die Materialschlacht mit voller Kraft entbrannt zu sein. Stichwort Skier: Aus Österreich kommt die Meldung, man wolle die Marke „Kästle“ wiederbeleben, sicherlich nicht zur Freude der etablierten Mitbewerber. Stichwort Schuhe: Polens Adler setzen seit kurzem auf ein eigenes Produkt. Ihr neuer Trainer, Michael Dolezal, sprach von einem Wunderschuh, der sechs bis acht Meter mehr Weite erlauben würde – so war es zumindest in den Gazetten zu lesen. Bisher, so der Coach der Polen weiter, habe man auf Schuhe „von der Stange“ zurückgreifen müssen. Was so nicht stimmt, den auch die Adler aus Polen wurden vor dieser Saison mit personenbezogenen und handgefertigten Modellen aus dem Hause Rass beliefert. Die deutsche Schuhschmiede im vogtländischen Schönheide ist bisher Platzhirsch in diesem Sektor, entwickelte in den 70er Jahren den ersten Sprungstiefel und später das Schuh-Bindungs-System. Dem Vernehmen nach arbeitet man in Sachsen gerade daran, eine Lösung zu finden, die schwere Verletzungen bei Stürzen wegen sich nicht lösender Skier unmöglich machen soll. Damit jedoch sind die Deutschen nicht allein. Der Schweizer Simon Ammann – 2010 innovativ unterwegs und sportlich erfolgreich mit der gebogenen Bindungsstange – glänzte beim Sommer-Grand-Prix mit einem geheimnisvoll über die Bindung gezogenen Sichtschutz. Marketing-Gag oder wieder mal was Neues? Beim Weltcup-Auftakt in Wisla war Ammann nicht dabei. Auch anderswo wird getüftelt. Die DSV-Adler kamen mit alten, neuen Helmen zum Saisonauftakt, die Skibrille ist dabei in den Helm besser integriert, die Wangenknochen werden zudem geschützt.

Es herrscht also viel Bewegung im Materialsektor. Aber in Wisla blies der Wind scharf und aus wechselnden Richtungen hinein in die Anlage, sorgte dafür, dass die äußeren Einflüsse zum bestimmenden Faktor für den Ausgang der Konkurrenz wurden. Weltmeister Markus Eisenbichler drückte es schon nach 73 Metern nach unten, Sieger Daniel-André Tande springt weiterhin mit Schuhen aus Deutschland und man mag sich nicht vorstellen, wo Polens Überflieger Kamil Stoch abgeblieben wäre, wenn ihn seine neuen Wunderschuhe nicht die prognostizierten mindestens sechs Meter pro Durchgang nach vorn katapultiert hätten, am Ende reichte es für Stoch zu einem Platz auf dem Podest. Fazit: Besser als der russische Erzähler Michail Soschtschenko schon 1923 formuliert hatte, kann man es auch fast 100 Jahre später nicht sagen: Das Flugwesen – es entwickelt sich.