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News nach Sportart: Viessmann

Winter mit Hindernissen

08.02.2020 Willingen, Germany (GER): Stephan Leyhe (GER) - FIS world cup ski jumping, individual HS145, Willingen (GER). www.nordicfocus.com. © Thibaut/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Viele Spitzenresultate, aber auch ein paar Misserfolge

Die Qualifikation der Skispringer in Trondheim war ein trauriger Endpunkt einer ungewöhnlichen Saison. #Stefan Leyhe, einer der Erfolgsgaranten im deutschen Team, stürzte, riss sich das Kreuzband und wird monatelang ausfallen. Schlimmer hätte die Saison für Leyhe nicht enden können, eine, die für den Hessen bis zu diesem unglücklichen Finale glänzend verlaufen war.

Heimsieg in Willingen, fest etabliert in der Weltspitze und eine feste Größe im Team – Leyhe weiß – Verletzung hin oder her – er kann ganz vorn dabei sein, wenn die Form stimmt. Andere hatten da mehr Schwierigkeiten in diesem Winter. #Richard Freitag beispielsweise kam gar nicht in die Gänge, auch Weltmeister #Markus Eisenbichler lief gesundheitlich gehandicapt seiner WM-Form weitestgehend hinterher. Wie gut, dass es Youngstar #Constantin Schmid gelang, mit seiner Performance dazu beizutragen, dass die deutschen Adler am Ende einer verkürzten Saison in der Nationenwertung die Nase vorn hatten.

Wie eng die Spanne zwischen Erfolg und Misserfolg ist, wie gering der Abstand zwischen „Himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“, auch das hat die Saison gezeigt. Schmid und Leyhe auf der einen Seite, Freitag und Eisenbichler auf der anderen – oder im Biathlon: #Denise Herrmann und #Franziska Hildebrand.

Die Biathletinnen erlebten ihr Waterloo zu Saisonbeginn. In der Loipe (noch) nicht konkurrenzfähig, am Schießstand fehlerhaft, man musste im Jahr Eins nach #Laura Dahlmeier in den Resultatlisten blättern, ehe Namen mit dem Zusatz GER auftauchten. Doch insbesondere Denise Herrmann wusste sich zu steigern, nach dem Jahreswechsel blühte die Sächsin auf, gewann Medaillen bei der WM und sicherte sich im Weltcup Gesamtrang drei und die kleine Kristallkugel als Sprintbeste.

Federn lassen mussten auch die Kombinierer. #Johannes Rydzek litt den gesamten Winter über an den Nachwehen seines Trainingsausfalls vom Spätsommer, #Eric Frenzel war ebenso wie #Fabian Riessle nur punktuell in der Lage, dem Überflieger der Saison, Jarl Magnus Riiber, Paroli zu bieten. Das Schicksal allerdings teilten die Deutschen mit der gesamten Konkurrenz. Auch im Skispringen der Frauen hatten es die DSV-Athletinnen in diesem Winter nicht leicht, #Katharina Althaus beispielsweise, im Vorjahr noch Zweite im Gesamtweltcup, fand nicht zu der Form, die sie im Jahr zuvor noch ausgezeichnet hatte. Das muss man zur Kenntnis nehmen und die richtigen Schlüsse ziehen.

Denn der kommende Winter wird ein wirklich wichtiger, mit den Weltmeisterschaften daheim in Oberstdorf.

In Summe klingt das vielleicht nach einer Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison. Doch der Eindruck täuscht. Denn als Team sind die Deutschen weiterhin vorn dabei, mischen mit in der Weltspitze, sind konkurrenzfähig beim Kampf um Titel, Medaillen und Spitzenplätze.

Kurz und gut: Es gab möglicherweise schon erfolgreichere Winter, als den gerade zu Ende gegangenen. Der insgesamt etwas zu kurz und etwas zu warm geratene Auftritt 2019/20 macht aber schon deshalb Hoffnung auf mehr, weil viele Verletzte zurückkommen werden und diejenigen, die diesmal nicht so erfolgreich waren, zurückfinden können zu alter Stärke.

Das Team als Star

22.02.2020, Antholz, Italy (ITA): Benedikt Doll (GER), Arnd Peiffer (GER), Philipp Horn (GER), Erik Lesser (GER), (l-r) - IBU World Championships Biathlon, relay men, Antholz (ITA). www.nordicfocus.com. © Modica/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Deutsche Biathleten überzeugten in Antholz als Mannschaft

Denise Herrmann war es vorbehalten, den Bann zu brechen. Denn nach einer Saison voller Hochs und Tiefs schaffte die Sächsin als erste Deutsche den Durchbruch bei der WM, schoss und rannte zur Silbermedaille und sorgte für Erleichterung bei der ganzen Mannschaft. Überhaupt: Die Mannschaft! Selten sah man eine so homogene und füreinander einstehende Truppe in schwarz-rot-gold, wie in den WM-Tagen in Italien. Die setzte das um, was Trainer und sportliche Leitung vorgegeben hatten. Man konzentrierte sich auf die Teamwettbewerbe und suchte besonders da den Erfolg. Das klappte, drei der fünf Medaillen wurden durch Mannschaften erreicht. Und gerade in den Staffeln zeigte sich die Stärke der DSV-Athletinnen und Athleten. Beispiel Frauen: Bei Startläuferin Karolin Horchler war die Nervosität spürbar, sie leistete sich Schießfehler, die man von der Hessin normalerweise nicht kennt, Deutschland übergab deshalb nach der ersten Starterin einigermaßen weit zurückliegend, holte in den folgenden Runden aber Platz um Platz auf und konnte durch Schlussläuferin Denise Herrmann Silber sichern. Eine Medaille, mit der vor der WM nicht unbedingt zu rechnen war. Die Damen lagen sich dank des Steigerungslaufs überglücklich in den Armen. Bei den Herren der Schöpfung freute man sich etwas verhaltener über Bronze. Denn dort verlief das Rennen anders. Das DSV-Quartett war von Beginn an mittendrin in der Spitzengruppe, hatte durch Philipp Horn sogar an Position eins übergeben, eine Situation, die Arnd Peiffer sogar noch ein wenig ausbauen konnte. Schlussläufer Benedikt Doll kämpfte, machte in seiner „Wackeldisziplin“, dem Liegendschießen alles richtig, doch im stehenden Anschlag flatterten die Nerven, Doll musste in die Runde, verlor den Kampf um Gold und musste sich in der Schlussrunde im  direkten Duell mit Überflieger Johannes Tignes Boe auch im Kampf um Silber geschlagen geben. Doch die Mannschaft fing den unglücklichen Schlussläufer auf, spendete Trost und am Ende freute sich das Quartett über die Podestplatzierung. Und bei der Siegerehrung am Abend strahlten beide Teams auf dem Siegertreppchen. Wobei man – und auch das spricht für den Charakter der Mannschaft – die Lokalität bereits gut kannte, denn auch in den Tagen zuvor war das gesamte Team erschienen, wenn es deutsche Medaillen zu feiern gab. Sicherlich – es gab schon Weltmeisterschaften mit einer höheren Medaillenausbeute aus deutscher Sicht. Aber die WM-Tage von Antholz zeigten, dass die Weltspitze immer enger zusammenrückt, mehr und mehr Nationen geschlossen oder mit Einzelkönnern um Titel und vordere Plätze streiten. In einer solchen Gemengelage als Mannschaft aufzutreten, ist da Gold wert. Oder eben vier Mal Silber und einmal Bronze, so wie in diesem Winter bei der WM in Antholz.

Herrmann, Kühn und Peiffer schaffen‘s auf‘s Podest

11.01.2020, Oberhof, Germany (GER): Arnd Peiffer (GER), Johannes Kuehn (GER), (l-r) - IBU world cup biathlon, relay men, Oberhof (GER). www.nordicfocus.com. © Manzoni/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Erfolgreiches Wochenende in Oberhof – Ruhpolding freut sich auf Weltcup

Denise Herrmann, Johannes Kühn, Arnd Peiffer und Philipp Horn – sie gehörten zu den prägenden Figuren beim Weltcup der Biathleten in Oberhof. Für den galt: Bettenkapazitäten ausgebucht, fast alle Tickets verkauft und – nicht nur für die Oberhofer Gastgeber besonders wichtig – auch sportlich wurde aus deutscher Sicht wieder Morgenluft geschnuppert! Oberhof war deshalb (wieder einmal) ein Erfolg. Für Hoteliers, Fans, Bratwurstverkäufer und für das DSV-Team. 3.500 Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in und rund um Oberhof und Thüringens Hotel- und Gaststättenverband verkündete stolz, trotz des gar nicht winterlichen Wetters hätte es keine Stornierungen gegeben. Das Organisationskomitee freute sich über insgesamt rund 60.000 Besucher an den vier Wettkampftagen und nicht nur die Fans jubelten über vier Podestplätze für die Deutschen. Denn damit zeigten die heimischen Skijäger, dass sie wieder mittendrin sind, in der Weltelite.

Denise Herrmann und Johannes Kühn sorgten für Jubel in den Sprintentscheidungen, die Männer Staffel und Arnd Peiffer im Massenstart garantierten, dass keiner der Wettkampftage ohne eine Top-Drei-Platzierung aus deutscher Sicht verging. Wobei Peiffers Auftritt schon einer kleinen Sensation glich, der Olympiasieger aus dem Harz lief praktisch direkt vom Krankenbett aus hinein in die Weltspitze, war zu Wochenbeginn noch beim Arzt, am Wochenende dann auf dem Podium. Und dann gab es ja noch Philipp Horn. Der Frankenhainer ist so etwas wie ein Spätstarter. Schon 26 Jahre alt schaffte er erst im letzten Winter den endgültigen Durchbruch in den A-Kader, den dauerhaften Durchbruch in die Weltspitze vollzieht er in dieser Saison. Rang 3 mit der Staffel im Heimrennen in Thüringen, dazu der sechste Platz und damit die beste Weltcup-Einzelplatzierung beim Massenstart am Sonntag; trotz Regens strahlte Horn über das ganze Gesicht. Die gute Laune will er sich erhalten, wenn es jetzt in Ruhpolding weitergeht. Dort werden die Teams neu gemischt, weil es in Oberhof eben nicht nur Sieger, sondern auch Verlierer gab.

Zu den Jungs, die neu im Weltcupkader stehen, gehören im Chiemgau auch Roman Rees und Philipp Nawrath, die sich über den IBU-Cup für das A-Team empfehlen konnten. Wobei Nawrath vielen Fernsehzuschauern bekannt vorkommen wird. Als Partner von Laura Dahlmeier trat der Polizist aus Nesselwang zuletzt beim Abschiedsrennen der Ausnahmeathletin beim „Biathlon auf Schalke“ in Erscheinung, lieferte dabei ein ordentliches Rennen, obwohl er erst am Abend vor der Veranstaltung erfahren hatte, dass er in Gelsenkirchen starten soll. Der 27-Jährige verfügt übrigens schon über Weltcup-Erfahrung, in Oslo wurde Nawrath im letzten Winter Neunter im Massenstartrennen. Und Deutscher Meister ist der Bayer auch schon – im Langlauf.

Ansonsten gilt für Ruhpolding das, was auch für Oberhof galt: Die rund 3.000 Fremdenzimmer der 7.000 Einwohner zählenden Gemeinde sind voll, Tickets für die Wettkämpfe wurden ausreichend verkauft und natürlich hoffen die Gastgeber auch beim zweiten Weltcup auf deutschem Boden, dass die vielen Biathlonfans mit erfolgreichen deutschen Sportlerinnen und Sportlern mitfeiern dürfen. Im Unterschied zum Oberhof-Wochenende sind die Schneesorgen in Ruhpolding allerdings nicht so extrem – man konnte auf Reserven aus dem letzten Winter zurückgreifen. Jetzt muss eigentlich nur noch das Wetter mitspielen und die sportliche Leistung stimmen, dann wird auch die Auflage 2020 wieder eine Erfolgsgeschichte.

 

 

Höhenflüge und Anschlussleistungen

28.12.2019, Oberstdorf, Germany (GER): Stephan  Leyhe (GER) - FIS world cup ski jumping, four hills tournament, Qualification , Oberstdorf (GER). www.nordicfocus.com. © Tumashov/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Deutschlands Skiadler ziehen Tournee-Bilanz

Natürlich stand diese Vierschanzentournee aus deutscher Sicht unter dem Eindruck des bis zum letzten Flug dauernden Versuches von, Karl Geiger, als erster Deutscher nach Sven Hannawald 2002 wieder einmal ganz oben zu stehen, auf dem Siegerpodest des wohl wichtigsten Skisprungereignisses der Saison. Aber im Schatten des Oberstdorfers etablierten sich andere DSV-Springer in den vorderen Spalten der Ergebnisliste. Stefan Leyhe beispielsweise, der im Vorjahr ja sensationell Gesamtdritter der Tournee geworden war und in diesem Winter ein paar Probleme hatte, an die Leistungen der WM-Saison anzuknüpfen, zeigte bei den vier Springen zwischen Oberstdorf und Bischofshofen, dass er wieder mitten drin ist, in der Weltspitze. Leyhe schaffte es erneut in die Top-Ten der Gesamtwertung, für den Hessen ein Beweis ansteigender Form und eine schöne Bestätigung gewachsener Kontinuität.

Oder Constantin Schmid: Das Talent aus Oberaudorf, dessen Stern bei der Tournee 2018/19 erstmals zu leuchten begann, freute sich 12 Monate später über einen Schanzenvierkampf, den der 20-Jährige als Steigerungslauf absolvierte, am Ende reichte es zu Platz 16 im Gesamtklassement. Besonders auffällig bei Schmid: In Einzelsprüngen ist er schon absolut top – würden die Leistungen der vier Qualifikationsspringen zu einer Gesamtwertung addiert, hätte der Bayer noch ein Stückchen weiter vorn gelegen. Klar ist aber auch: Zwei siebte Plätze in diesem Winter im Wettkampf sollen noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Das gilt auch für den Vorjahreszweiten der Tournee, Markus Eisenbichler. Der kämpfte ja – geplagt von verschiedenen Verletzungen – seit Saisonbeginn darum, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Und Eisenbichler schaffte es bei der Tournee zumindest, mit Einzelsprüngen zu zeigen, dass mit ihm im weiteren Saisonverlauf gerechnet werden darf. Vor allem, weil die richtig großen Schanzen – seine Leidenschaft – noch auf die Springer warten.

Das große Fragezeichen blieb leider hinter Richard Freitag stehen. Mit Absprungproblemen, die sich seit Saisonbeginn eher verschlechterten als verbesserten, reiste Freitag zur Tournee an, verpasste die Qualifikation zum Auftaktwettbewerb und reiste nach Rücksprache mit Bundestrainer Stefan Horngacher wieder nach Hause. Eine folgerichtige Entscheidung! Freitag soll nun erst einmal ein wenig Abstand gewinnen und dann versuchen, den Fehler auszumerzen und die Form neu aufzubauen. Ein Abschied von den Schanzen aber ist der Rückzug von der Tournee für Freitag nicht. Im Gegensatz zu Walter Hofer, der seine letzte Tournee als FIS-Renndirektor erlebte.

Fazit: Es war eine spannende Tournee, wie immer mit Siegern und Verlierern. Aus deutscher Sicht schnitt man nicht ganz so gut ab, wie im Vorjahr. Aber allein die Spannung, die bis zum Schluss herrschte, ließ die Veranstaltung wieder zum Publikumsmagneten werden. Bundestrainer Stefan Horngacher kann mit Rang 3 im Gesamtklassement bei seiner Tourneepremiere als verantwortlicher Bundestrainer durchaus zufrieden sein.

Tournee ohne Favoriten

29.12.2018, Oberstdorf, Germany (GER): Markus Eisenbichler (GER) - FIS world cup ski jumping, four hills tournament, qualification, Oberstdorf (GER). www.nordicfocus.com. © Rauschendorfer/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Karl Geiger trägt die deutschen Hoffnungen auf eine gute Gesamtplatzierung

Der „Karle“ soll, geht es nach den deutschen Fans, die erste Geige spielen, bei der 68. Auflage der Vierschanzentournee. Kein vermessener Wunsch, kommt der Oberstdorfer Karl Geiger nach sieben ausgetragenen Weltcups (Kuusamo fiel dem Wind zum Opfer) als Dritter im Gesamtklassement an die Schattenbergschanze. In jedem der bisher ausgetragenen Wettbewerbe war landete der 26jährige unter den besten Sieben – das nennt man wohl Konstanz.

Tournee-Favoriten aus fünf Nationen
Dieses Wort scheint in diesem Winter aber eher auf dem Index zu stehen. Sieben Wettkämpfe sahen fünf Sieger, nur der Norweger Daniel Andre Tande zu Beginn und Vorjahres-Tourneesieger Ryoyu Kobayashi konnten zwei Mal vom obersten Treppchen winken, Geiger wartet übrigens noch auf dieses Ergebnis. Die anderen Sieger hören mit Ausnahme des Japaners Yukhia Sato, der in Nizhny Tagil überraschen konnte, ebenfalls auf klangvolle Namen – denn es gewannen Kamil Stoch aus Polen und der Österreicher Stefan Kraft.  Womit viele Favoritennamen schon genannt worden sind – Peter Prevc sollte man in der Aufzählung nicht vergessen oder den Polen David Kubacki.

Eisenbichler und Freitag auf Formsuche
Markus Eisenbichler zu den Tourneefavoriten zu zählen, dazu ist im Moment eine gehörige Portion Optimismus notwendig. Der Vorjahreszweite und dreifache Weltmeister von Seefeld sucht – auch bedingt durch Verletzungen unmittelbar vor Saisonstart – noch immer seine Form. Eisenbichler lieferte schon den einen oder anderen sehr ordentlichen Versuch ab, was fehlt, ist eben die Konstanz. Noch schlimmer geht es im Moment Richard Freitag, der vor zwei Jahren zwischen Oberstdorf und Innsbruck um den Sieg mitsprang, ehe ihn am Bergisl ein Sturz aus allen Träumen riss. Der Sachse hopste vor Weihnachten hinterher, kennt aber den Fehler und hofft, gemeinsam mit dem Trainerteam bis zum Tourneestart auf Besserung.

DSV-Team im Aufwärtstrend
Aus deutscher Sicht überrascht Routinier Pius Paschke positiv, auch bei Teamweltmeister Stephan Leyhe zeigt die Formkurve nach oben und Youngstar Constantin Schmid will in diesem Winter an seine überraschende Tourneeleistung der Vorsaison anknüpfen. Allein, die Stabilität lies eben bisher zu wünschen übrig. So scheint eine Tournee ins Haus zu stehen, in der es keine klaren Favoriten gibt, viele Nationen noch nicht so richtig wissen, auf welche Stars sie bauen können oder ein bis dahin weitestgehend Unbekannter für eine Überraschung sorgt. Fest steht wohl nur eines: Wer bei der 68. Auflage der Tournee einen Vierfach-Triumph voraussagt, der kann viel Geld gewinnen. Denn dazu braucht es in allererster Linie eines: Konstanz!

 

Zwischen Richard dem Großen und Freitag dem Dreizehnten

22.12.2019, Engelberg, Switzerland (SUI): Richard Freitag (GER) - FIS world cup ski jumping, individual HS140, Engelberg (SUI). www.nordicfocus.com. © Reichert/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Skispringer Richard Freitag vor Beginn der Tournee auf Formsuche

Richard Freitag ist ein eher rationaler Typ. Orkanartige Jubelausbrüche sind ihm fremd. Freitag genießt Erfolge eher verhalten und dass der 28-Jährige nach Siegen vor Heiserkeit keinen Mucks mehr sagen konnte, gehört ins Reich der Fabel. Nach Niederlagen wirkt Richard ebenfalls eher nüchtern und beherrscht. So wie in Klingenthal im Dezember, als er den Finaldurchgang im Einzelspringen verpasste, aber – ganz Profi – dennoch Autogramme schreibend stehen blieb, als die Fans nach ihm verlangten. Und dennoch, in Richard Freitag brodelte es.

„Ausgerechnet beim Heimweltcup so zu scheitern ist…!“ Und da war es plötzlich, das böse Wort mit SCH…! Es sah fast so aus, als hätte sich der gebürtige Erlabrunner über sich selbst erschrocken, denn im selben Atemzug entschuldigte sich der Schnauzbartträger für seinen verbalen Ausbruch. Dabei kann man den Mann aus dem Erzgebirge, der sich selbst als „Kopfmensch“ beschreibt, durchaus verstehen. Denn irgendwie klebt Freitag mal wieder die Seuche am Ski in diesem Winter.

Gute Vorbereitung – unbefriedigender Weltcup-Auftakt
Dabei hatte alles gut begonnen, im letzten Trainingscamp vor dem Weltcupauftakt stimmte die Form, in Zakopane war „Rich“, so Freitags Spitzname, vorn dabei. Aber pünktlich zum Saisonstart lief es bestenfalls mäßig, später schlechter. Ob in Kuusamo oder in Nizhni Tagil, die gewohnte Sicherheit wollte sich nicht einstellen. Und der Tiefpunkt folgte dann ausgerechnet vor seinem Heimpublikum, ein Finale ohne Freitag, das klingt, als sei Freitag der Dreizehnte in diesem Winter auf einen Sonntag gefallen. Dabei ist der schmächtige Erzgebirger alles andere als abergläubisch, konnte im Zielbereich seine Fehler sogar klar benennen. „Ich springe im Moment zu sehr auf einem Fuß ab, da kommt man schief raus, der Druck fehlt und entsprechend mickrig ist die Weite“, so das Fazit nach dem Hopser in Durchgang eins.

Minimaler Fehler – große Auswirkung
„Eigentlich kein großes Problem, nur muss man den Fehler erst wieder rausbekommen, aus dem eigenen System.“ Was schwierig ist, denn eingedenk der frühlingshaften Bedingungen in Mitteleuropa wimmelt es derzeit nicht gerade vor Schanzen, auf die man zum Training ausweichen könnte. Also blieb Freitag im Weltcup, mit dem Effekt, dass die Schwierigkeiten in Engelberg auch nicht dazu beitrugen, aus dem Formtief herauszukommen. Wieder war nach den ersten Versuchen Feierabend. Und das führt wiederum dazu, dass Richard, der bei der Tournee schon ein ganz Großer war, in diesem Winter mit mehr Frage- als Ausrufezeichen die Reise nach Oberstdorf antreten wird.

Rückblende und Erfolge
Anders als noch vor ein paar Jahren. Da passte die Frühform, Freitag galt als Tourneefavorit, kämpfte gegen den Polen Kamil Stoch um den Gesamtsieg, ehe in Innsbruck ein Sturz seinen Träumen ein jähes Ende setzte. Die folgende Verletzungspause meisterte Freitag mit Bravour, stieg bei der Skiflug-WM zu neuen Höhen auf und kam auch von den Olympischen Spielen medaillendekoriert nach Hause – Richard, der Große eben. Das Auf und Ab prägt seine Laufbahn, große Erfolge wechseln sich mit bitteren Niederlagen ab.

Kein Erwartungsdruck zur Tournee
Aber Freitag wäre nicht Freitag, wenn er nicht versuchen würde, auch die aktuell schwierige Situation zu meistern. „Viel fehlt eigentlich nicht“, zeigte sich der für Nickelhütte Aue startende Gesamtweltcupzweite der Saison 2017/18 optimistisch. Es wäre nicht das erste Mal. Und für die anderen DSV-Adler sicherlich ein Signal. Denn in diesem Winter haben – mit Ausnahme des Oberstdorfers Karl Geiger – auch die anderen Arrivierten, allen voran Markus Eisenbichler, ihre liebe Mühe und Not, Vierschanzentourneeform zu erreichen. Mit seinen 28 Jahren ist Freitag aber routiniert genug, nicht schon vor dem Tourneestart die Flinte ins Korn zu werfen und außerdem ein viel zu rationaler Typ, um vor dem ersten Training auf der Schattenbergschanze zu resignieren. Aber nervös – so gesteht er – nervös sei er schon.

 

 

Home, sweet home

14.12.2019, Klingenthal, Germany (GER): Venue - FIS world cup ski jumping, team HS140, Klingenthal (GER). www.nordicfocus.com. © Reichert/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Auch wenn es ein Freitag, der 13. war: Richard Freitag stand im Auslauf der Klingenthaler Schanze und freute sich. Nicht nur, weil er gerade souverän die Eintrittskarte in den Wettkampf gelöst hatte, sondern weil das Bild, das sich dem Sachsen bei seinem Heimweltcup bot, einfach schön war.

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Neues vom Flugwesen – es entwickelt sich!

22.03.2019, Planica, Slovenia (SLO): Markus Eisenbichler (GER) - FIS world cup ski flying, individual HS240, Planica (SLO). www.nordicfocus.com. © Nordicfocus/EXPA/JFK. Every downloaded picture is fee-liable.

Der Winter hat begonnen. Man merkt es zwar (noch) nicht beim Wetter, aber an den Schanzen dieser Welt. Denn die Zahl der von Equipment-Kontrolleur beanstandeten Anzüge ist – wie in den letzten Jahren immer zum Saisonstart – sprunghaft angestiegen. Sepp Gratzer, bei der FIS zuständig dafür, dass in Sachen Ausrüstung die Vorgaben des Weltverbandes eingehalten werden, hatte beim Auftaktspringen in Wisla gut zu tun. Drei Sportler erwischte es in der Qualifikation, weil Schuhe beziehungsweise Springeranzug außerhalb der Norm lagen. Und in der Team-Entscheidung war für die russische Mannschaft schon nach dem ersten Springer Schluss: der bekam mangels passender Bekleidung vom Österreicher im Kontrollzentrum die Rote Karte gezeigt, die Russen keinen einzigen Punkt. Ihre drei folgenden Sportler machten folglich Trainingssprünge unter Wettkampfbedingungen. Manchmal sind es Nuancen, die zwischen „noch erlaubt“ und „geht gar nicht“ entscheiden. Denn eingedenk der Leistungsdichte nicht nur bei den Springern, wird natürlich von allen Teams versucht, die Grenzwerte auszureizen.

Aber in diesem Winter, der zunächst ohne Reglementänderung startete, scheint die Materialschlacht mit voller Kraft entbrannt zu sein. Stichwort Skier: Aus Österreich kommt die Meldung, man wolle die Marke „Kästle“ wiederbeleben, sicherlich nicht zur Freude der etablierten Mitbewerber. Stichwort Schuhe: Polens Adler setzen seit kurzem auf ein eigenes Produkt. Ihr neuer Trainer, Michael Dolezal, sprach von einem Wunderschuh, der sechs bis acht Meter mehr Weite erlauben würde – so war es zumindest in den Gazetten zu lesen. Bisher, so der Coach der Polen weiter, habe man auf Schuhe „von der Stange“ zurückgreifen müssen. Was so nicht stimmt, den auch die Adler aus Polen wurden vor dieser Saison mit personenbezogenen und handgefertigten Modellen aus dem Hause Rass beliefert. Die deutsche Schuhschmiede im vogtländischen Schönheide ist bisher Platzhirsch in diesem Sektor, entwickelte in den 70er Jahren den ersten Sprungstiefel und später das Schuh-Bindungs-System. Dem Vernehmen nach arbeitet man in Sachsen gerade daran, eine Lösung zu finden, die schwere Verletzungen bei Stürzen wegen sich nicht lösender Skier unmöglich machen soll. Damit jedoch sind die Deutschen nicht allein. Der Schweizer Simon Ammann – 2010 innovativ unterwegs und sportlich erfolgreich mit der gebogenen Bindungsstange – glänzte beim Sommer-Grand-Prix mit einem geheimnisvoll über die Bindung gezogenen Sichtschutz. Marketing-Gag oder wieder mal was Neues? Beim Weltcup-Auftakt in Wisla war Ammann nicht dabei. Auch anderswo wird getüftelt. Die DSV-Adler kamen mit alten, neuen Helmen zum Saisonauftakt, die Skibrille ist dabei in den Helm besser integriert, die Wangenknochen werden zudem geschützt.

Es herrscht also viel Bewegung im Materialsektor. Aber in Wisla blies der Wind scharf und aus wechselnden Richtungen hinein in die Anlage, sorgte dafür, dass die äußeren Einflüsse zum bestimmenden Faktor für den Ausgang der Konkurrenz wurden. Weltmeister Markus Eisenbichler drückte es schon nach 73 Metern nach unten, Sieger Daniel-André Tande springt weiterhin mit Schuhen aus Deutschland und man mag sich nicht vorstellen, wo Polens Überflieger Kamil Stoch abgeblieben wäre, wenn ihn seine neuen Wunderschuhe nicht die prognostizierten mindestens sechs Meter pro Durchgang nach vorn katapultiert hätten, am Ende reichte es für Stoch zu einem Platz auf dem Podest. Fazit: Besser als der russische Erzähler Michail Soschtschenko schon 1923 formuliert hatte, kann man es auch fast 100 Jahre später nicht sagen: Das Flugwesen – es entwickelt sich.

Auftritt der Superstars in der Schnee-Manege

13.03.2019, Oestersund, Sweden (SWE): Event Feature: undefined athlete enters the stadium infield over the tunnel - IBU world championships biathlon, individual men, Oestersund (SWE). www.nordicfocus.com. © Manzoni/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

In dieser Saison steht im Nordischen Bereich der Weltcup besonders im Focus – da ausnahmsweise mal keine Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften den Saisonhöhepunkt markieren. Wobei: Eine WM gibt es doch, die der Skiflieger im März in Planica.

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