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28. Dezember 2017 Viessmann Sport

Tour de Ski: Selbstbewusstsein tanken – Olympianorm knacken

Tou de Ski 2017 in Val di Fiemme (ITA).

Tou de Ski 2017 in Val di Fiemme (ITA).

Die Zeiten, in denen man Deutschlands Skilangläufern reelle Chancen einräumen konnte bei der Tour de Ski nach Einzelsiegen oder gar dem Gesamterfolg greifen zu können, sind lange vorbei. Bei dieser Auflage kämpfen Deutschlands Langläufer um die Tickets für Pyeongchang.

Bislang einziger deutscher Tour-Sieger: T. Angerer in Val di Fiemme (ITA).

Bislang einziger deutscher Tour-Sieger: T. Angerer in Val di Fiemme (ITA).

Deutsche Tour-Erfolge
Tobias Angerer schrieb sich in die Geschichtsbücher seiner Sportart ein, als er zur Premiere 2006/07 die erste Schleife durch die Alpen zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Rene Sommerfeld folgte ein Jahr später als Zweiter der Gesamtwertung, Axel Teichmann wurde bei der dritten Auflage 2008/09 Dritter – das war es dann aber auch. Sicherlich gab es immer wieder mal aufsehenerregende Platzierungen an einzelnen Etappentagen, man denke an den Überraschungscoup von Denise Herrmann mit Sprint-Podestplätzen. Herrmann überrascht mittlerweile bei den Biathletinnen und nach Nachfolgerinnen, die das Zeug dazu hätten unter die Top-Drei zu spurten, sucht man im Moment wohl erfolglos. Wenngleich die Hoffnung bleibt. Sandra Ringwald holte sich die Olympianorm mit Rang Sieben im Freistil-Sprint von Davos und kann damit etwas beruhigter zum Auftakt nach Lenzerheide fahren, denn auch die zwölfte Auflage der Tour beginnt mit einem Sprint.

Umzug bei der Premiere

Tour de Ski 2015 in Val di Fiemme (ITA): Mitinitiator Juerg Capol.

Tour de Ski 2015 in Val di Fiemme (ITA): Mitinitiator Juerg Capol.

Früher nannte man das Prolog, und als die Tour das Licht der Welt erblickte, da passierte das im Licht der Scheinwerfer im Münchner Olympiastadion. Geplant hatten die Organisatoren um die Gründerväter Jürg Capol und Vegard Ulvang, das Rennen in Tschechien aufzunehmen und Nove Mesto in Mähren dafür auserkoren. Aber dort herrschte Schneemangel und so zog man unverrichteter Dinge in die bayerische Landeshauptstadt. Dort aber wollte am Morgen des Silvestertages 2006 kaum ein Mensch die Qualifikation miterleben. Und der Name Christoph Eigenmann aus der Schweiz als Sieger dürfte bei Günther Jauch inzwischen durchaus auch als 500.000-Euro-Frage durchgehen. Bei den Frauen siegte eine gewisse Marit Björgen aus Norwegen.

Norweger hadern mit der Tour
Die sollte auch später noch das eine oder andere Mal auf dem Podest stehen. Wenngleich: Norwegen und die Tour de Ski – das war keine Liebesbeziehung. Björgen musste sich 2006/07 im Gesamtklassement der Finnin Virpi Kuitunen geschlagen geben, bis zum ersten Triumph einer Frau aus dem Mutterland des Skilanglaufs dauerte es gefühlte Ewigkeiten. Erst im Januar 2014 stand mit Therese Johaug zum ersten Mal eine Norwegerin auf der Alpe Cermis, dem gefürchteten Höhe- und Schlusspunkt des Etappenrennens, ganz oben.

Tour de Ski 2011 in Oberstdorf (GER): M. Bjoergen im TV-Interview.

Tour de Ski 2011 in Oberstdorf (GER): M. Bjoergen im TV-Interview.

Spätes Erfolgserlebnis für Björgen
Johaug wird bei der 12. Auflage fehlen, sie sitzt eine Dopingsperre ab. Marit Björgen – inzwischen zur wohl erfolgreichsten Langläuferin aller Zeiten aufgestiegen – schloss 2015 ihren Frieden mit der Tour, gewann souverän. In den Siegerlisten dieses Jahres wird Petter Northug als Champion geführt, ein Titel, auf den der extrovertierte Norweger wahrscheinlich keinen Wert legt. Denn ursprünglich hatte Landsmann Martin Johnsrud Sundby gewonnen, wurde aber – auch weil ein Dopingtest positiv ausgefallen war – aus der Wertung genommen. Was es immer ein wenig schwierig macht, Rekordgewinner zu ermitteln. Ist es nun Sundby gemeinsam mit dem Dreifachsieger Dario Cologna aus der Schweiz oder doch der Eidgenosse allein?

Tour-Novum: nur drei Etappenorte

Tour de Ski 2017: Läufer im Val Mustair (SUI).

Tour de Ski 2017: Läufer im Val Mustair (SUI).

Der soll übrigens mitverantwortlich dafür sein, dass inzwischen in Lenzerheide und im Münstertal gelaufen wird. Um den Jahreswechsel herum ist diesmal wieder Lenzerheide dran und damit einer von drei Standorten der Tour. Oberstdorf und Val di Fiemme vervollständigen die Stationen – diesmal sind es nur drei – ein Novum in der Geschichte der Skitour. Val die Fiemme übrigens ist dabei die einzige Konstante, die in diesem Winter das Dutzend Jahre vollmacht. Was daran liegen mag, dass die Alpe Cermis eben immer als Finale gesetzt ist. Was aber auch damit zusammenhängt, dass andere Stationen mal mehr, mal weniger Atem hatten, um dauerhaft in der Gastgeberliste bleiben zu können.

Tour de Ski 2007:in Prag (CZE).

Tour de Ski 2007 in Prag (CZE).

Wechselnde Gastgeber
Prag beispielsweise: Tschechiens Hauptstadt war Schauplatz von Sprintwettbewerben, mal am Gelände des legendären Strahov-Stadions, mal noch spektakulärer direkt vor dem Hradschin. Die Münchner Stippvisite ganz zum Anfang der Tournee blieb eine einmalige Ausnahme und auch Asiago ging nach vier Versuchen die Puste aus. Oberhof in Thüringen als nördlichstes Tour-Etappenziel galt lange als gesetzt, aber irgendwann gingen Schnee und Enthusiasmus verloren. 2014 verabschiedet sich das Rennen damit endgültig aus den Mittelgebirgen – Rückkehr ungewiss.

Toblach setzt diemal aus
Und Toblach? Die Südtiroler legen in diesem Winter eine schöpferische Pause ein, ließen aber nach ihrem gelungenen Weltcup-Wochenende noch vor Weihnachten wissen, im Dezember 2018 Gastgeber der Eröffnungsrennen werden zu wollen. Was den Charme hätte, dass die 13. Tour de Ski zum ersten Mal tatsächlich (fast) zu einer Art Schleife werden könnte – eben wie ihr großes Vorbild, die Tour de France. Bis dahin vergeht aber noch einige Zeit, bis zum Start der aktuellen Auflage, die das Dutzend vollmachen wird dagegen nicht mehr. Und bei einer Serie von einem Dutzend darf man wohl sagen: Herzlich Willkommen im Club der Traditionsveranstaltungen!

Fotos: NordicFocus