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7. Januar 2019 Viessmann Sport

Überragender Kobayashi verhindert deutschen Tournee-Triumph

06.01.2019, Bischofshofen, Austria (AUT): Markus Eisenbichler (GER), Ryoyu Kobayashi (JPN), Stephan Leyhe (GER), (l-r) - FIS world cup ski jumping, four hills tournament, individual HS140, Bischofshofen (AUT). www.nordicfocus.com. © Rauschendorfer/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Nüchtern betrachtet hat es wieder nicht gereicht. Deutschlands Ski-Adler segeln einem Gesamterfolg bei der Vierschanzentournee seit 2002 hinterher und müssen sich nun ein weiteres Jahr in Geduld üben. Mindestens ebenso nüchtern betrachtet haben die Schützlinge von Bundestrainer Werner Schuster zum Jahreswechsel 2018/19 aber eine Tournee hingelegt, die sich sehen lassen kann. Und wäre da nicht erneut ein Überflieger im Feld gewesen, die Deutschen hätten wohl bis zum letzten Sprung um den Gesamtsieg gestritten.

Kobayashi in einer eigenen Liga

Doch da gab es eben diesen Ryoyu Kobayashi, einen 22-Jährigen aus Japan, der nach Sven Hannawald, dem letzten deutschen Gesamtsieger und Kamil Stoch aus Polen, dem Dominator des Vorjahres, das Kunststück fertigbrachte nicht nur als zweiter Japaner nach Kazuyoshi Funaki 1998 die Tournee zu seinen Gunsten zu entscheiden sondern auch gleich alle vier Springen am Stück zu gewinnen.

Tournee-Auftakt in Oberstdorf: Markus Eisenbichler muss sich nur knapp dem Japaner Kobayashi geschlagen geben.

Kobayashi dominierte, hatte aber in Oberstdorf sicher auch ein wenig Glück, als er mit 0,4 Punkten vor Eisenbichler die Tageswertung gewann. Doch die Nervenstärke und Sicherheit, mit der der Japaner auf allen Schanzen auftrat, ließen schon vor dem Abschluss in Bischofshofen alle Fragen nach dem Gesamterfolg beantwortet zurück.

 

Eisenbichler: Kämpferherz und Stabilität – Leyhe: Das Muster an Beständigkeit

Volle Konzentration nach dem Tournee-Ruhetag: Markus Eisenbichler in Innsbruck (AUT).

Und dennoch: Wie Markus Eisenbichler, vor der Tournee nicht immer ein Muster an nervlicher Stabilität, ausgerechnet mit der Extremsituation der vier Springen binnen kürzester Zeit umging, wie er auch in der Niederlage gegen Kobayashi, die dennoch seinen sportlich bisher größten Triumph darstellte, Maß und Mitte nicht verlor, das nötigt Respekt ab. Der Bayer wusste dabei, dass er nicht nur für sich selbst sprang, sondern auch als Schutzschild für das Team. Und in seinem Schatten fand ein zweiter DSV-Adler nahezu unbemerkt den Weg aufs Siegerpodest: Stephan Leyhe. Der Willinger, dessen Stern in den letzten Wintern heller und heller zu leuchten begann, zeigte nach seiner guten Frühform, die ihm zum Weltcupauftakt im polnischen Wisla seine erste Podestplatzierung eingebracht hatte, vier Mal sehr ordentliche Leistungen und schob sich buchstäblich mit dem letzten Sprung noch vorbei an der Konkurrenz und auf Rang drei der Gesamtwertung. Kein Wunder, dass Leyhe über das ganze Gesicht strahlte.

Licht und Schatten im DSV-Lager

Weniger Grund zur Freude hatten andere DSV-Starter. Für Severin Freund kam die Tournee wohl doch noch zu früh – nach den beiden ersten Wettkämpfen war Feierabend für den Ex-Weltmeister. Eine Situation, die sich Andreas Wellinger vielleicht sogar in der einen oder anderen stillen Minute auch gewünscht hätte, denn der Olympiasieger sprang der Form und den eigenen Ansprüchen weit hinterher.

Durfte als einziger Springer der nationalen Gruppe auf die österreichischen Schanzen: Constantin Schmid in Bischofshofen (AUT).

Das gilt auch für den Gesamtweltcupzweiten der Vorsaison, Richard Freitag, der die Tournee verletzungsbedingt nur mit einer suboptimalen Vorbereitung in Angriff nehmen konnte und nie zu gewohnter Konstanz fand. Das gilt auch für Karl Geiger, der mit seinem Weltcuptriumph von Engelberg kurz vor Tourneestart kühne Hoffnungen geweckt hatte, diesen dann aber nur teilweise gerecht werden konnte. Constantin Schmid, dagegen, 19-jährige Nachwuchshoffnung im Deutschen Skiverband, deutete sein Talent auf allen vier Schanzen an.

Am Ende zählen nur die Siege

In Summe bleibt eine mehr als nur ordentliche Tournee aus deutscher Sicht, aber eben auch eine, die wegen Ryoyu Kobayashi in die Geschichtsbücher eingehen wird. Zweite und dritte Plätze in der Tournee-Gesamtwertung können sich Eisenbichler und Leyhe zu Recht gern auf die Autogrammkarten drucken lassen, aber die Erinnerung an diese Leistungen wird bei vielen Skisprungfans bald verblassen.

Freude über das deutsche Doppelpodest bei der Tournee: Stephan Leyhe und Markus Eisenbichler in Bischofshofen (AUT).

Oder kann jemand noch auf Anhieb sagen, wie oft Jens Weißflog und Sven Hannawald in der Tournee-Gesamtwertung zweite Plätze belegten? Die Antwort: Jens Weißflog wurde insgesamt viermal Tourneezweiter (1983/1988/1998/1994), Sven Hannawald landet zweimal auf Rang zwei (1998/2003). Gesprochen wird aber noch heute von den vier Tourneesiegen des Oberwiesenthalers und der Grand-Slam-Premiere Hannawalds.

Fotos: Rauschendorfer / NordicFocus