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28. Februar 2017 Viessmann Sport

Vogt–Land: Carina Vogt dominiert die Skisprungszene und setzt sich ein Denkmal

Der Sprung sei gut gewesen, dass er so gut gewesen sei, habe sie erst gar nicht gemerkt. So nüchtern kommentierte Carina Vogt, die Überfliegerin, ihren Supersatz im ersten Durchgang des Mixed-Team-Wettbewerbs, mit dem die Degenfelderin die Konkurrenz eigentlich schon vorentschieden hatte. Als Markus Eisenbichler ebenfalls Bestweite in seiner Gruppe aufstellt, Svenja Würth und Andreas Wellinger nachlegten, da war die Konkurrenz entschieden und  Vogt endgültig angekommen auf dem WM-Thron.

Vier WM-Goldmedaillen stehen bei der 25-Jjährigen bei Welttitelkämpfen inzwischen auf der Habenseite – ein Rekord, der eine Weile bestehen dürfte. Den Platz in den Sport-Geschichtsbüchern hatte sie sich aber eigentlich schon 2014 gesichert, als sie in Sotschi zum Olympiasieg flog – dem ersten in der olympischen Geschichte überhaupt. Wäre Vogt nicht Skispringerin sondern Skispringer – der Heldenstatus in der Heimat wäre ihr gewiss. Doch das Damen-Skispringen steckt noch immer in den Kinderschuhen, dank Carina Vogt darf man inzwischen vielleicht von einem „Halbwüchsigen“ sprechen.

Bei der WM-Premiere 2009 in Liberec, als ihre Freundin Ulrike Gräßler Silber gewann und zwei Jahre später in Oslo, da schaute Carina noch zu, in Val di Fiemme 2013 war es dann soweit. Was Vogt nach einem guten fünften Platz bei ihrer Premiere nicht ahnen konnte: Alle weiteren Wettkämpfe beendete sie mit Podestplätzen, auf Bronze im Mixed-Team Wettbewerb mit Gräßler, Richard Freitag und Severin Freund folgten die vier Titel. Auf so viele Goldene kann in Deutschland bei den Springern nur noch Martin Schmitt verweisen, für Herren gibt es allerdings auch mehr Titelchancen, denn ein Mannschaftswettbewerb fehlt bei den Damen ebenso wie die Konkurrenz von der Großschanze.

Erbsenzählerei oder gar ein neidischer Blick zu den männlichen Konkurrenten ob deren höherer Popularität und der besseren Vermarktungschancen sind aber nicht das Ding der Carina Vogt. Abseits der Schanzen gilt die junge Frau von der Schwäbischen Alb als zurückhaltend, eher scheu. Öffentlicher Rummel ist ihr eher unangenehm; na gut, es gibt Ausnahmen. Denn nachdem Vogt ihren längsten Flug bei diesen Titelkämpfen inzwischen auch hinter sich hat – den zurück in die Heimat – gilt es, den Feiermarathon in den nächsten Tagen zu meistern. Am Freitag gibt es Empfänge in Waldstetten und Schwäbisch-Gmünd und in Degenfeld überlegen sie noch, was sie auf das Schild am Rathausbalkon schreiben sollen.

Von einem Jahrhundertereignis hatten die Verantwortlichen gesprochen, als Vogt 2014 aus Sotschi mit Gold zurückkam. Ein Jahr später, nach den ersten beiden Weltmeistertiteln kam man auf die Idee ein Plakat mit der Aufschrift „WIEDER 1.“ aufzuhängen. Und nun, nach dem dritten Jahrhundertereignis in 36 Monaten? Sparsame Schwaben könnten auf die Idee kommen das Plakat von 2015 wieder zu nutzen. Ginge prima, wenn man die Worte  „SCHON“ oder „MAL“ davorklebt.  Was darüber hinaus noch an Ehrungen geplant ist, bleibt ebenfalls noch geheim. Einen Weg nach Carina Vogt benannt haben sie in Degenfeld schon; möglich wäre, die gesamte Region in „Vogt-Land“ umzutaufen. Man müsste vorher einfach mal mit dem Original verhandeln.