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28. März 2018 Viessmann Sport

Saisonbilanz – Deutsche Goldmomente krönen den Winter

Endlich Feierabend! So manchem Aktiven wird in den letzten Tagen dieser Stoßseufzer durch den Kopf gegangen sein, eventuell auch über die Lippen – denn die Saison war lang. Und gespickt mit Höhepunkten. Und sie war – zumeist – erfolgreich.

Medaillenträume und verpasste Chancen
Doch wo beginnen? Am besten beim Saisonhöhepunkt schlechthin, den Olympischen Spielen. In Pyeongchang erwiesen sich die Deutschen als wahre Medaillenhamster, scheffelten Gold, Silber, Bronze und weitere Top-Platzierungen. Zugegeben, nicht alle Blütenträume reiften. Im Alpinbereich blieben die DSV-Stars ebenso medaillenlos wie Langläuferinnen und Langläufer, auch die Biathlon-Staffel der Frauen wird der vergebenen Großchance auf olympisches Edelmetall wohl mehr als nur ein paar Wochen hinterhertrauern. Aber blickt man auf die Ursachen, dann wird schnell klar, dass Verletzungspech und Krankheiten in der Vorbereitung, an dieser Stelle seien nur die Namen Neureuther und Rebensburg erwähnt, durchaus als plausible Begründung herhalten können. Shootingstar Thomas Dreeßen feierte dagegen einen glanzvollen Einstieg in die Weltspitze, siegte auf der „Streif“ beim legendären Hahnenkammrennen von Kitzbühel und bewies mit Platz fünf in Pyeongchang und weiteren Top-Resultaten, dass Deutschland auch in den Speed-Disziplinen wieder vorn mitmischen kann. Viktoria Rebensburg sicherte sich die kleine Kristallkugel für den Gesamtweltcupsieg im Riesenslalom – auch ein Beweis von Kontinuität. Nur im Langlaufbereich wird es wohl noch ein wenig dauern, ehe die durchaus vorhandenen Talente endgültig zur Weltspitze aufgeschlossen haben.

Weinbuchs Kombinierer: Punktgenau in der Spur

Die Autogramme des Olympiasiegers sind begehrt: Eric Frenzel in Klingenthal (GER).

Und damit zu den Erfolgen. Auch hier gilt: Womit beginnen? Mit Laura Dahlmeier, Johannes Rydzek oder Eric Frenzel? Allesamt erfolgreich in Pyeongchang, allesamt auch dadurch geprägt, dass im Gegensatz zu den Wintern zuvor ausgerechnet in dieser Saison nicht alles nach Plan lief. Zugegeben, Eric Frenzel hatte den Focus diesmal klar auf die Spiele ausgerichtet. Aber Erkrankungen in der Vorbereitung warfen den Sachsen immer wieder zurück. Zudem hatte Erfolgstrainer Hermann Weinbuch den Schwerpunkt mehr auf das Laufen gelegt, was zu Saisonbeginn den Sprungleistungen nicht eben förderlich war. Doch in der Stunde der Entscheidung passte die Form im deutschen Team: Frenzel, Johannes Rydzek und Fabian Rießle sorgten für eine Medaillenflut, im Team kam noch Vinzenz Geiger dazu, der Routinier Björn Kircheisen aus dem Quartett verdrängen konnte und sich selbst mit Staffelgold belohnte.

Freitag und Wellinger zünden die Rakete

Planica: Richard Freitag sichert sich beim Skifliegen in Slowenien Platz zwei in der Weltcup-Gesamtwertung.

Oder nehmen wir die Skispringer: Erst „zündete“ Richard Freitag, startete wie eine Rakete in den Olympiawinter. Dann warf ihn ein Sturz bei der Vierschanzentournee weit zurück. Aber „Rich“ kämpfte, wurde mit Bronze bei der Skiflug-WM und Silber im Teamspringen in Korea belohnt. Und weil der Mann aus dem Erzgebirge, der inzwischen in Oberstdorf trainiert, die Form vom Saisonauftakt auch am Ende eines langen Skiwinters noch einigermaßen auf die Schanzen bringen konnte, stand für Freitag auch noch der zweite Platz im Gesamtweltcup zu Buche und damit die erfolgreichste Saison überhaupt.
Aber wer in diesem Winter vom Skispringen redet, der kommt an zwei Namen nicht vorbei: Kamil Stoch, der mit dem Grand-Slam bei der Tournee mit Sven Hannawald gleichzog, zudem in Korea und bei der Raw-Air-Tour siegte und den Gesamtweltcup praktisch fast nebenbei einsammelte. Stoch zeigt rein sportlich gewisse Ähnlichkeiten mit der Radsport-Legende Eddy Merckx. Den nannten sie früher „den Kannibalen“, weil er in Sachen Siege unersättlich war. Mindestens ebenso großen Hunger auf Erfolg aber hatte Andreas Wellinger. Der Bayer haderte zu Saisonbeginn mit den äußeren Bedingungen; ausgerechnet bei ihm drehte der Wind zu oft in die falsche Richtung, verhinderte somit noch bessere Platzierungen, als ohnehin erzielt. Aber Wellinger blieb in der Spur und krönte sich in der Eiseskälte von Pyeongchang. Gold-Silber-Silber, das ist die Erfolgsbilanz für den mittlerweile zweifachen Olympiasieger. Für den DSV war es das erste Einzelgold seit Jens Weißflog 1996, zudem der erste Sieg für einen deutschen Springer seit Sarajevo 1984 von der Normalschanze, auch damals hatte Weißflog gewonnen.

Freuen sich über Rang drei zum Saisonstart: Tobias Wendl und Tobias Arlt in Innsbruck (AUT).

Deutsche Rodeldominanz
Die Erwartungen an die Olympiasaison seiner Rennrodler dürften sich auch für Bundestrainer Norbert Loch mehr als erfüllt haben – auch wenn der eigene Sohn als großer Favorit auf den Olympiasieg diesmal an den Medaillenrängen vorbeifuhr. Zwar war der Rekordrodler nach Problemen zu Saisonbeginn doch noch als Weltcupgesamtsieger nach Südkorea gefahren. In Durchgang zwei des olympischen Rennens versagten dem Bayer aber die Nerven. Felx Loch flog ebenso wie Tatjana Hüfner ohne das erhoffte Edelmetall zurück in die Heimat. Anders ihre Mannschaftskollegen, die neben Gold bei den Damen, Doppelsitzern und mit dem Team auch das Silber von Dajana Eitberger sowie die Bronzemedaille von Johannes Ludwig im Einzel und dem Doppel Eggert/Benecken im Deutschen Haus begießen durften.

Edelmetall-Überraschungen bei den Biathleten

Ausgepowert zum Saisonende: Laura Dahlmeier nach Platz drei in der Verfolgung in Tyumen (RUS).

Und dann wäre ja noch das liebste Kind der deutschen Wintersportfans: Biathlon. Die das Gewehr tragen, schrieben in den Tagen der Spiele eine nicht zu erwartende Erfolgsgeschichte. Bei den Herren hieß die Frage im Vorfeld, wer hinter dem dominanten Weltcup-Traumduo aus Frankreich und Norwegen, also hinter Fourcade und Boe eventuell eine Bronzemedaille ergattern könne. Die Antwort gab Arnd Peiffer schon im ersten Rennen: Gold! Es folgten weitere Medaillen für Simon Schempp, Benedikt Doll und am Staffeltag endlich auch für Eric Lesser. Mit einer solchen Sammlung hätte vor Beginn der Spiele wohl niemand gerechnet. Wohl aber mit Laura Dahlmeier. Wenngleich auch bei der Sportlerin des Jahres 2017 vieles in der Vorbereitung nicht nach Plan lief. Im Sommer ging Dahlmeier fast schon gewohnt eigene Wege, kraxelte hoch hinaus. Zu Beginn des Winters meldeten sich diverse Infekte, es fehlte an Wettkampfhärte und die Konkurrenz beeindruckte derweil mit tollen Leistungen. Aber Dahlmeier wäre nicht Dahlmeier, wenn sie nicht ihr Kämpferherz in beide Hände genommen hätte. Zweimal Gold, dazu Bronze, wieder eine irre Bilanz für die junge Frau aus Garmisch-Partenkirchen, die damit ihre Dominanz in der Biathlonwelt eindrucksvoll unter Beweis stellte. Und den deutschen Sportfans hoffentlich noch eine Weile als Biathletin erhalten bleibt.

Nach der Saison ist vor der Saison

Saisonende: Wintersportfans müssen sich bis zum nächsten Winter gedulden.

Jetzt aber ist erst einmal Schluss. Eis und Schnee verabschieden sich und mit ihnen die Athletinnen und Athleten, die sicher noch eine Weile brauchen werden, um die Erlebnisse und Eindrücke dieser Saison zu verarbeiten. Viel Zeit bleibt nicht, denn schneller als gedacht steht die Saisonvorbereitung für den kommenden Skiwinter mit Weltcups und Weltmeisterschaften und damit wieder mit einer Reihe von Herausforderungen und Highlights.

Fotos: NordicFocus