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24. Dezember 2019 Viessmann Sport

Zwischen Richard dem Großen und Freitag dem Dreizehnten

22.12.2019, Engelberg, Switzerland (SUI): Richard Freitag (GER) - FIS world cup ski jumping, individual HS140, Engelberg (SUI). www.nordicfocus.com. © Reichert/NordicFocus. Every downloaded picture is fee-liable.

Skispringer Richard Freitag vor Beginn der Tournee auf Formsuche

Richard Freitag ist ein eher rationaler Typ. Orkanartige Jubelausbrüche sind ihm fremd. Freitag genießt Erfolge eher verhalten und dass der 28-Jährige nach Siegen vor Heiserkeit keinen Mucks mehr sagen konnte, gehört ins Reich der Fabel. Nach Niederlagen wirkt Richard ebenfalls eher nüchtern und beherrscht. So wie in Klingenthal im Dezember, als er den Finaldurchgang im Einzelspringen verpasste, aber – ganz Profi – dennoch Autogramme schreibend stehen blieb, als die Fans nach ihm verlangten. Und dennoch, in Richard Freitag brodelte es.

„Ausgerechnet beim Heimweltcup so zu scheitern ist…!“ Und da war es plötzlich, das böse Wort mit SCH…! Es sah fast so aus, als hätte sich der gebürtige Erlabrunner über sich selbst erschrocken, denn im selben Atemzug entschuldigte sich der Schnauzbartträger für seinen verbalen Ausbruch. Dabei kann man den Mann aus dem Erzgebirge, der sich selbst als „Kopfmensch“ beschreibt, durchaus verstehen. Denn irgendwie klebt Freitag mal wieder die Seuche am Ski in diesem Winter.

Gute Vorbereitung – unbefriedigender Weltcup-Auftakt
Dabei hatte alles gut begonnen, im letzten Trainingscamp vor dem Weltcupauftakt stimmte die Form, in Zakopane war „Rich“, so Freitags Spitzname, vorn dabei. Aber pünktlich zum Saisonstart lief es bestenfalls mäßig, später schlechter. Ob in Kuusamo oder in Nizhni Tagil, die gewohnte Sicherheit wollte sich nicht einstellen. Und der Tiefpunkt folgte dann ausgerechnet vor seinem Heimpublikum, ein Finale ohne Freitag, das klingt, als sei Freitag der Dreizehnte in diesem Winter auf einen Sonntag gefallen. Dabei ist der schmächtige Erzgebirger alles andere als abergläubisch, konnte im Zielbereich seine Fehler sogar klar benennen. „Ich springe im Moment zu sehr auf einem Fuß ab, da kommt man schief raus, der Druck fehlt und entsprechend mickrig ist die Weite“, so das Fazit nach dem Hopser in Durchgang eins.

Minimaler Fehler – große Auswirkung
„Eigentlich kein großes Problem, nur muss man den Fehler erst wieder rausbekommen, aus dem eigenen System.“ Was schwierig ist, denn eingedenk der frühlingshaften Bedingungen in Mitteleuropa wimmelt es derzeit nicht gerade vor Schanzen, auf die man zum Training ausweichen könnte. Also blieb Freitag im Weltcup, mit dem Effekt, dass die Schwierigkeiten in Engelberg auch nicht dazu beitrugen, aus dem Formtief herauszukommen. Wieder war nach den ersten Versuchen Feierabend. Und das führt wiederum dazu, dass Richard, der bei der Tournee schon ein ganz Großer war, in diesem Winter mit mehr Frage- als Ausrufezeichen die Reise nach Oberstdorf antreten wird.

Rückblende und Erfolge
Anders als noch vor ein paar Jahren. Da passte die Frühform, Freitag galt als Tourneefavorit, kämpfte gegen den Polen Kamil Stoch um den Gesamtsieg, ehe in Innsbruck ein Sturz seinen Träumen ein jähes Ende setzte. Die folgende Verletzungspause meisterte Freitag mit Bravour, stieg bei der Skiflug-WM zu neuen Höhen auf und kam auch von den Olympischen Spielen medaillendekoriert nach Hause – Richard, der Große eben. Das Auf und Ab prägt seine Laufbahn, große Erfolge wechseln sich mit bitteren Niederlagen ab.

Kein Erwartungsdruck zur Tournee
Aber Freitag wäre nicht Freitag, wenn er nicht versuchen würde, auch die aktuell schwierige Situation zu meistern. „Viel fehlt eigentlich nicht“, zeigte sich der für Nickelhütte Aue startende Gesamtweltcupzweite der Saison 2017/18 optimistisch. Es wäre nicht das erste Mal. Und für die anderen DSV-Adler sicherlich ein Signal. Denn in diesem Winter haben – mit Ausnahme des Oberstdorfers Karl Geiger – auch die anderen Arrivierten, allen voran Markus Eisenbichler, ihre liebe Mühe und Not, Vierschanzentourneeform zu erreichen. Mit seinen 28 Jahren ist Freitag aber routiniert genug, nicht schon vor dem Tourneestart die Flinte ins Korn zu werfen und außerdem ein viel zu rationaler Typ, um vor dem ersten Training auf der Schattenbergschanze zu resignieren. Aber nervös – so gesteht er – nervös sei er schon.

 

 

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